Amor ist ein mächt'ger Fürst
Und hat mich so gebeugt, daß ich bekenne,
Es gibt kein Weh, das seiner Strafe glich',
Doch gibt's nicht größ're Lust, als ihm zu dienen.

(William Shakespeare, 1564-1616)

Liebesgedichte von William Shakespeare

Schöne Liebesgedichte, ausgewählte Sonette von dem bekannten englischen Dramatiker, Lyriker und Schauspieler William Shakespeare.

Sonett 18

Soll ich Dich einem Sommertag vergleichen?
Nein, Du bist lieblicher und frischer weit -
Durch Maienblüthen rauhe Winde streichen
Und kurz nur währt des Sommers Herrlichkeit.

Zu feurig oft läßt er sein Auge glühen,
Oft auch verhüllt sich seine goldne Spur,
Und seiner Schönheit Fülle muß verblühen
Im nimmerruh'nden Wechsel der Natur.

Nie aber soll Dein ewiger Sommer schwinden,
Die Zeit wird Deiner Schönheit nicht verderblich,
Nie soll des neidischen Todes Blick Dich finden,
Denn fort lebst Du in meinem Lied unsterblich.

So lange Menschen athmen, Augen sehn,
Wirst Du, wie mein Gesang, nicht untergehn.

(William Shakespeare, 1564-1616, englischer Lyriker, Dramatiker, Schauspieler)

Übersetzt von Friedrich Bodenstedt, 1866; > weitere Übersetzungen

Sonett 25

Laß, die geboren unter günst'gem Stern,
Sich stolzer Titel rühmen, hoher Ehre,
Derweil ich heimlich, den Triumphen fern,
Durch meine Liebe meine Freude mehre.

Der Hoheit Günstling strahlt in seinem Glanz
Wie in der Sonne Licht die Ringelblume,
Doch ihn beherrschen Laun' und Zufall ganz:
Ein Zornblick macht ein Ende seinem Ruhme.

Der Held, der schwererkämpften Lorbeer trug:
Nach tausend Siegen einmal überwunden,
Ist wie gestrichen aus der Ehre Buch,
Sein Thun vergessen und sein Lohn verschwunden.

Drum glücklich ich – ich lieb' und bin geliebt,
Wo's kein Verdrängen und Vergessen giebt.

(William Shakespeare, 1564-1616, englischer Lyriker, Dramatiker, Schauspieler)

Übersetzt von Friedrich Bodenstedt, 1866; > weitere Übersetzungen

Sonett 27

Von Müh'n erschöpft such' ich mein Lager auf,
Die holde Ruhstatt reisemüder Glieder,
Doch dann beginnt in meinem Kopf ein Lauf,
Wach wird der Geist, sinkt schwach der Leib danieder.

Denn sehnsuchtsvoll sucht mein Gedanke Dich
Aus weiter Fern' auf frommer Pilgerfahrt.
Die müden Augenlider öffnen sich
Und sehn nur, was der Blinde auch gewahrt.

Nur daß der Seele einbildsame Macht
Dem innern Auge Deinen Schatten beut,
Der wie ein strahlendes Juwel die Nacht
Verschönert und ihr alt Gesicht erneut:

So daß um Deinethalb am Tag die Ruh
Die Glieder flieht und Nachts den Geist dazu.

(William Shakespeare, 1564-1616, englischer Lyriker, Dramatiker, Schauspieler)

Übersetzt von Friedrich Bodenstedt, 1866; > weitere Übersetzungen

Sonett 29

Wenn ich, von Gott und Menschen übersehn,
Mir wie ein Ausgestoßener erscheine,
Und, da der Himmel nicht erhört mein Flehn,
Dem Schicksal fluche und mein Loos beweine:

Wünsch ich an Hoffnungen so reich zu sein
Wie Andre, vielbefreundet, hochgeboren -
In Kunst, in Freiheit Manchen gleich zu sein,
Unfroh bei dem was mir das Glück erkoren.

Zur Selbstverachtung treibt mich fast mein Sorgen,
Doch denk ich Dein, ist aller Gram besiegt -
Der Lerche gleich' ich dann, die früh am Morgen
Helljubelnd auf zum goldnen Himmel fliegt.

So macht Erinnerung an Dein Lieben reich,
Daß ich's nicht hingäb' um ein Königreich.

(William Shakespeare, 1564-1616, englischer Lyriker, Dramatiker, Schauspieler)

Übersetzt von Friedrich Bodenstedt, 1866; > weitere Übersetzungen

S P R U C H - Z I T A T
Was wäre denn dabei, wenn sehr schlimme Gedanken in mein Herz gekommen wären! Wo ist der Palast, wo nicht auch einmal Schändliches eindringt?

(Shakespeare, 3. Akt, 3. Szene / Jago)

Sonett 38

Wie könnt' es meiner Mus' an Stoff je fehlen
So lang Du athmest und in meine Lieder
Dein holdes Leben hauchst, sie zu beseelen;
Wer sänge würdig Deinen Inhalt wieder?

O danke Du Dir selbst, wenn lesenswerth
In Deinen Augen etwas scheint an mir!
Wer würde nicht beredt durch Deinen Werth?
Borgt doch die Dichtung selbst ihr Licht von Dir!

Darum die zehnte Muse sollst Du sein,
Um zehnmal würdiger als die neun, die alten,
Und wer Dich anruft, soll Dir Lieder weihn,
Die ewigen Werths voll Deinen Ruhm enthalten.

Gefällt der krit'schen Welt die schlichte Weise,
Sei mein die Müh' – Dir sei's zum Ruhm und Preise!

(William Shakespeare, 1564-1616, englischer Lyriker, Dramatiker, Schauspieler)

Übersetzt von Friedrich Bodenstedt, 1866; > weitere Übersetzungen

Sonett 76

Was ist so arm an Neuheit mein Gedicht,
Statt wechselnd nach der Mode sich zu schmücken?
Warum versuch' ich's wie die Andern nicht,
Prunkvoll, gespreizt und neu mich auszudrücken?

Warum trägt mein Gedanke immerfort
Ein und dasselbe Kleid, schlicht und gewöhnlich,
Daß ich leicht kennbar bin, fast jedes Wort
Auf seinen Ursprung zeigt, auf mich persönlich?

O wisse, süße Liebe, immer sing' ich
Von Dir allein, Du meines Liedes Leben!
Mein Bestes neu in alte Worte bring' ich,
Stets wiedergebend, was schon längst gegeben.

Denn wie der Sonne Auf- und Untergang:
Alt und doch täglich neu ist mein Gesang.

(William Shakespeare, 1564-1616, englischer Lyriker, Dramatiker, Schauspieler)

Übersetzt von Friedrich Bodenstedt, 1866; > weitere Übersetzungen

S P R U C H - Z I T A T
O lerne lieben! Leicht ja ist die Müh' und kannst du's einmal, du verlernst es nie!

(William Shakespeare)

Sonett 99

Das freche Veilchen schalt ich: »Süßer Dieb,
wo hast du deinen feinen Duft gestohlen?
Vom Hauch des Liebsten! Wo gewannst du lieb
den Purpur dir? Bekenn es unverhohlen!
Von seiner Wange, daß ihm fast nichts blieb.«

Die Lilie hat von seiner Hand genommen,
der Majoran vom Glanz des Haares keck;
am Strauche standen Rosen recht beklommen,
teils rot vor Scham und teils auch weiß vor Schreck.

Und eine, die nicht rot, nicht weiß erschienen,
die war's, die seinen Hauch von beiden stahl;
dafür wird sie trotz ihrem Stolz verdienen
von eklem Wurm zu leiden Todesqual.

Noch Blumen gab's; doch keine, der man's glaubt,
daß sie nicht Duft und Farbe dir geraubt.

(William Shakespeare, 1564-1616, englischer Lyriker, Dramatiker, Schauspieler)

Übersetzt von Karl Kraus, 1933; > weitere Übersetzungen

Sonett 116

Nichts kann den Bund zwei treuer Herzen hindern,
Die wahrhaft gleichgestimmt. Lieb' ist nicht Liebe,
Die Trennung oder Wechsel könnte mindern,
Die nicht unwandelbar im Wandel bliebe.

O nein! Sie ist ein ewig festes Ziel,
Das unerschüttert bleibt in Sturm und Wogen,
Ein Stern für jeder irren Barke Kiel, -
Kein Höhenmaß hat seinen Werth erwogen.

Lieb' ist kein Narr der Zeit, ob Rosenmunde
Und Wangen auch verblühn im Lauf der Zeit -
Sie aber wechselt nicht mit Tag und Stunde,
Ihr Ziel ist endlos, wie die Ewigkeit.

Wenn dies bei mir als Irrthum sich ergiebt,
So schrieb ich nie, hat nie ein Mann geliebt.

(William Shakespeare, 1564-1616, englischer Lyriker, Dramatiker, Schauspieler)

Übersetzt von Friedrich Bodenstedt, 1866; > mehr Übersetzungen

S P R U C H - Z I T A T
Wenn du dich nicht der Verrücktheiten erinnern kannst, zu denen dich die Liebe genötigt hatte, hast du in Wahrheit nie geliebt.

(William Shakespeare)

William Shakespeare Wikipedia

Lebensdaten, Wissenswertes über den bekannten englischen Dramatiker, Lyriker und Schauspieler.

Liebesgedichte Shakespeare

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