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zitat

Man muss eben immer älter
werden, immer stiller und
endlich einmal etwas schaffen.

- Paula Modersohn-Becker -

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Liebesbriefe von Paula Modersohn-Becker, bekannte Malerin und eine der bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus.

Worpswede, Herbst 1900

An den Allerbesten.

Ich habe über uns beide nachgedacht und habe es beschlafen und nun kommt mir Klarheit. Wir sind nicht auf dem rechten Wege, Lieber: Sieh, wir müssen erst ganz tief in uns gegenseitig hineinschauen, ehe wir uns die letzten Dinge geben sollen oder das Verlangen nach ihnen erwecken. Es ist nicht gut, Lieber. Wir müssen uns erst die tausend anderen Blumen unseres Lebensgartens pflücken, ehe wir uns in einer schönen Stunde die wunderbare tiefrote Rose pflücken. Um das zu tun, müssen wir beide uns noch tiefer ineinander versenken. Lass das Bilderstürmerblut der Ahnfrau ein wenig noch schweigen und lass mich eine kurze Zeit noch Dein Madönnlein sein.

Ich meinte es gut mit Dir, glaubst du es? Denke an die holde Kunst,
Lieber. Wir wollen diese Woche beide malen. Dann komme ich am
Sonnabend früh zu Dir. Und dann sind wir gut und mild. 'Das sanfte
Säuseln', wie Du sagtest [...]. Leb wohl, Lieber. Denke, was schön ist,
und fühle, was schön ist. Wir haben uns ja beide die Hände gereicht,
um mit vereinten Kräften feiner zu werden, denn wir sind ja noch lange
nicht auf unserem Höhepunkt, ich noch l-a-n-g-e nicht und Du auch
nicht, Lieber, Gott sei Dank. Denn Wachsen ist ja das Allerschönste
auf dieser Erde. Nicht? Wir beide haben es noch gut vor ... Sei still
geküsst und lass Dir den geliebten Kopf leise streicheln. Ich bin Dein,
Du bist mein, des sollst Du gewiss sein.
Auf Wiedersehn.
Dein Ich.
Lieber? Schlaf auch immer recht schön und viel und iss kräftig,
Nicht? Du!!



Liebesbrief von Paula Modersohn-Becker an Otto Modersohn

Bremen, 26. Dezember 1900

Wie hast Du mir süss geschrieben, Du! Dein Brief war wie ein weiches Kosen deiner Hände. Und ich hielt mich dir hin und liess es mir so gerne gefallen. Wie ist doch die Liebe so ein seltsam Ding. Wie wohnt sie in uns und ruht sie in uns und nimmt Besitz von jedem Fäserlein unseres Körpers. Und hüllt sich ein in unsere Seele und bedeckt sie mit Küssen. Das Leben ist ein Wunder. Es kommt über mich, dass ich oftmals die Augen schliessen muss, wenn Du mich in Armen hälst. Es überrieselt mich und durchleuchtet mich und schlägt in mir satte verhaltene Farben an, dass ich zittere. Ich habe ein wundervolles Gefühl der Welt gegenüber. Lass sie treiben, was sie will, und hinken statt tanzen, so viel sie will, und schreien statt singen, so viel sie will. Ich gehe an Deiner Seite und führe Dich an der Hand. Und unsere Hände kennen sich und lieben sich und ihnen ist wohl.

So zwei sich lieben von ganzem Herzen,
Sie können ertragen der Trennung Schmerzen.
So zwei sich lieben von ganzer Seele,
Sie müssen leiden des Himmels Befehle.
So zwei sich lieben mit Gottesflammen,
Geschieht ein Wunder und bringt sie zusammen.

Und bei uns geschieht das Wunder! Wir sehen uns wieder trotz des Abschieds in der kleinen Vogeler-Bibliothek. Und bald, mein Schatz, bald. Komm, wann du willst, Lieber. Komm Silvester oder komm am zweiten, mache es ganz, wie du wünschest, ich finde alles gut.

Ich habe das wundervolle Gefühl, als ob in dieser Zeit der Trennung unsere Liebe geläutert und durchseelter würde. Das erfüllt mich mit einer dankbaren Frömmigkeit gegen das Weltall. Mein König Roter! Ich bin das Mägdelein, das Dich liebt, und das sich Dir schenkt und dessen Scham vor Dir gebrochen liegt und zerronnen ist wie ein Traum. Und das ist meine Demut, Lieber, dass ich mich gebe, wie ich bin und in Deine Hände lege und rufe: Hier bin ich.

So sei es bis an unseres Lebens Ende. Lass Dir leise den Rotbart streicheln und empfange einen Kuss auf jede Wange und dann nimm meine Seele auf und trinke sie. Trinke sie in einem heissen Kuss der Liebe. Ich bin immer Dein.



Liebesbrief von Paula Modersohn-Becker an Otto Modersohn

Bremen, 28. Dezember 1900


Es ist Mitternacht, und eigentlich müsste ich zu Bett. Ich sehne mich aber
nach etwas Tiefem, Klarem, Ganzem. Dann komme ich noch ein wenig zu
Dir trotz Nacht und Finsternissen. Die Zeit beginnt, dass die Stadt mir wieder
über den Kopf wächst, dass sie mich einengt und totdrückt. Diese halben
Menschen und Menschlein halbieren mich allmählich und hauen mich in
kleine Stücke. Und ich will nicht halb sein, ich will ganz sein. Ich komme nicht
zu mir selber hier. Ich höre meine Seele nicht reden und antworten. Das
Schönste findet nicht mehr den Weg zu ihr [...] Ob mir wohl morgen ein
Brieflein von Dir zum Morgenkaffee winkt? Das ist immer so entzückend,
wenn ich es den ganzen Tag in der Tasche knittern fühle. Und Du, mein
Lieber? Findest Du Dich immer noch artig lieb mit der Welt ab? Rauchst
Du immer noch Dein Pfeiflein in Frieden? Ich wünsch es Dir und den
Deinen. Doch nun ganz schnell zu Bett. Dies war eben nur ein Epistelchen,
ein Seufzerpistelchen und müdes Epistelchen. Lieber, ich habe jetzt die
Bismarckbriefe und lese sie. Sind die schön! Eigentlich zu schön für
einen, wir müssen sie zusammen lesen. Gute Nacht, mein Roter, ich
denke zärtlich Dein und küsse Dich.



Liebesbrief von Paula Modersohn-Becker an Otto Becker

Berlin, 13. Januar 1901


Ich bin nun in Berlin und fühle mich sehr zahm und sehr eng und möchte die
Wände sprengen und ein Stück Himmel sehen. Ich glaube, ich werde diese
zwei Monate es doch sehr schwer haben, ich passe in eine solche Stadt nicht,
hauptsächlich nicht hierher ins elegante Viertel. Da falle ich aus dem Rahmen.
In Paris, das Quartier Latin, das war doch etwas anderes. Die Menschen um
mich sind süss und freundlich. Aber ihr Leben spielt sich doch sehr in einer
standesgemässen Veräusserlichung der Dinge ab. Dabei sind es zarte,
vibrierende, sensitive Frauen, Gartenblumen, und mein Blühen ist doch so
sehr im Felde. Es wird schon alles werden, nur kommt meine arme kleine
Seele in einen Käfig. Wenn ich ihr Worpsweder Freiheit liesse, würde sie in
ihrer Ungebundenheit in diesem Glasschrank viel Schaden anrichten. [...]
Im Ganzen beherrscht mich stark das Gefühl von beschnittenen Flügeln.
Wenn ich mein Leben erst geordnet habe in Kunst und Kochen, dann wird's
wohl besser sein. Hier in der Nähe ist eine Kochschule beiderlei Gestalt,
einfacher Mittagstisch und Puterbraten. [...]



Liebesbrief von Paula Modersohn-Becker an Otto Modersohn

Berlin 15. Januar 1901


Ich war heute im Museum und hörte die Englein im Himmel singen. Es war so
schön, dass ich gleich zu Dir kommen muss. Kunst ist doch das Allerschönste.
Hier in Berlin mit den vielen Federhüten und den furchtbar lärmenden
Elektrischen ist sie mir eine süsse, liebe Mutter und ein Obdach in dieser Pein.
Dann sitze ich ganz still in all diesem Lärm und krieche ganz in mich zusammen.
Und in mir lächelt es und meine Seele weilt in heiligen Gefilden. [...]
Oh, diese Tiefe in unserem Herzen! Sie war mir lange mit Nebeln verhüllt und
ich kannte und ahnte sie wenig. Und nun ist es mir, als höbe jedes meiner
inneren Erlebnisse diese Schleier, und ich täte einen Blick hinein in diese
süsse, zitternde Dunkelheit, die alles das in sich birgt, was es wert macht, ein
Leben zu leben.

Ich fühle stark, wie alles Bisherige, was ich von meiner eigenen Kunst erträumte,
noch lange nicht innerlich genug empfunden war. Es muss durch den ganzen
Menschen gehen, durch jede Faser unseres Seins. [...] Lieber, ich habe noch
keinen Brief von Dir bekommen. Als ich mir aber heute all die Pracht beschaute
und alle die Herrlichkeit, da war es mir, als hättest Du mir geschrieben oder ich
mit Dir gesprochen, denn unsere Seelen würden in vielem zusammengeklungen
und geläutert haben.
Am Sonnag bei Rilke war es schön. Als ich seine Stimme hörte, war es mir wie
ein Stückchen Worpswede, obgleich ich vorher durch dies Getöse der grossen
Stadt ein wenig verängstigt war. [...]



Kurzer Liebesbrief von Paula Modersohn-Becker an Otto Modersohn

Berlin 31. Januar 1901


Ich dachte mir grade aus, dass ich nicht mehr weisses Briefpapier haben wollte,
sondern blaues, graublaues. Und da kam Dein grosser blauer Brief und war
blau. So sind unsere beiden Gehirne auch in der Ferne miteinander verknüpft.
Und wenn der eine "blau" denkt, dann muss der andere unwillkürlich mitmachen.
Das ist schön, nicht? [...]



Liebesbrief Paula Modersohn-Becker an Otto Modersohn

Berlin, 3. Februar 1901


Lieber,
ich bin noch voll von der Verkündung des Engels: 'Du aber bist der Baum", die
Rilke vorlas. Und das wird an uns beiden geschehen, Lieber, und ich halte still
die Hände. Ich kann nur immer still sein und dann ist es mir, als ob der Atem
auch spärlich käme, und dann kommen nur wenig Worte zutage. Die kommen
aber auch aus der alleruntersten Tiefe von mir und die müssen Dir erzählen
von Dingen, die sie gesehen haben. Und das sind dann meine Liebesbriefe.
Ich weiss nicht, ob ich Dir gesagt habe, was ich Dir sagen wollte. Ich bin auch
müde, weisst Du.
Hast Du Dein Kränzlein zum Sonntag erhalten? Wo hängt es?
Ich küsse Dich und segne Dich und schreibe Dir morgen einen Brief, Du.



Liebesbrief von Paula Modersohn-Becker an Otto Modersohn

Berlin, 4. Februar 1901


Schreibe ich Dir immer nur von lauter Malen und von nichts anderem? Steht
nicht Liebe in den Zeilen und zwischen den Zeilen, leuchtend und glühend und
still minnig, so wie ein Weib lieben soll und wie Dein Weib Dich liebt?
Lieber, ich kann mein Letztes nicht sagen. Es bleibt scheu in mir und fürchtet
das Tageslicht. Dann kommt es im Dämmern oder in einer Nacht einmal hervor.
Aber weisst Du, die Welt ist ihm so fremd. Mit der Zeit kommt dann wohl eine Zeit,
wo Du fühlst, dass ich es gar nicht sagen musste, sondern dass in lautlosen
Stunden Du in mich übergegangen bist und ich in Dich. Ich glaube, es ist meine
Jungfräulichkeit, die mich bindet. Und ich will sie tragen, still und fromm tragen,
bis eine Stunde kommt, die auch die letzten Schleier hinwegnehmen wird.
Und dann? — — —

Aber daran denke ich wenig in dieser Stadt. Manchmal, wenn ich abends im
Bette liege und Deine Studie auf mich strahlt, oder morgens, wenn ich erwache,
oder in einer stillen sinnenden Stunde. Sonst tue ich es nicht in dieser Stadt,
denn die Dinge, die meine Ideen mit diesem Heiligen verbinden, sind nicht
schön und nicht rein. Wenn der Frühling über den Weyerberg zieht und grüne
Schleier über die kleinen Birken spannt und jedes Bäumlein sich schauernd
zur Befruchtung rüstet, wenn aus der Erde der junge Lebensgeruch strömt,
dann wird es auch mir die Stirne küssen und wonniglich durch mein ganzes
Wesen ziehen und der Drang von mir zu Dir wird wachsen und zunehmen bis
zu einem Tage, da ihm die Erfüllung wird. Aber daran lass mich jetzt noch wenig
denken und wolle nicht, dass ich davon rede. Lieber, lass noch Dein Bräutlein
in einem Winterschlaf. [...]

Und ein Kleidchen darf ich mir kaufen? Ich danke Dir schön. Das macht mir viel
Spass und Freude. Wenn ich es habe, will ich Dir davon berichten.



Liebesbrief von Paula Modersohn-Becker an Otto Modersohn

Worpswede, 4. November 1902


Mein geliebter Mann,
dies ist nun der erste Abend der ersten grösseren Trennung in unserer Ehe.
Es gibt mir ein eigenes Gefühl. Du, in Gesellschaft Deiner Familie, kommst
vielleicht gar nicht so zum Bewusstsein dessen. Ich schwelge darin. Schwelg
in meiner Einsamkeit, Deiner Liebe gedenkend.
Unserer Liebe gedenkend, wanderte ich heute Abend durch die finsterfeuchte
Luft nach Hause und hielt innerlich Zwiegespräch mit mir. Ich habe eine grossse
Sicherheit in unserer Liebe und zu unserer Liebe, und als ich heute so ging,
durchfuhr mich ein atemloses Glücksgefühl, denn ich gedachte, dass uns der
Höhepunkt noch vorbehalten ist. Sieh, Lieber, Du brauchst nicht traurig zu sein
oder eifersüchtig auf meine Gedanken, wenn ich meine Einsamkeit liebe.
Ich tue es, um still und ungestört und fromm Deiner zu gedenken.
Die Heimkehr zu unseren Birken war lieblich, alles unter dem sanften Schleier
Deines Fernseins gesehen. Man ist eben doch schon ein Stück von dem andern
und der andere ein Stück von einem. Ich lebe in Dir sehr, das fühle ich. Aber
die Trennung ist mir lieb, weil sie dieses Ineinanderleben zu einem seelischen
macht. Ich liebe das zeitweilige Zurücktreten des Körpers ...
Lieber, liebe mich, wenn ich auch ungereimt bin. Ich meine es doch so.



Liebesbrief von Paula Modersohn-Becker an Otto Modersohn

Paris 15. März 1905


Mir wird ganz wunderbar zumute bei dem Gedanken, dass wir uns in zwei
Wochen wiedersehen.
O, ich habe Dir so viel Schönes zu zeigen und so viel schöne Liebe in mir
aufgespeichert, die ich alle in Dich giessen möchte, und Dich damit
einhüllen, Deinem inneren Menschen wohlzutun. [...]


- Paula Modersohn-Becker, deutsche Malerin, 1876-1907 -

Quelle: Liebesbriefe grosser Frauen, © marixverlag GmbH Wiesbaden,
4. Auflage 2011, Seite 244-253.

Hier veröffentlicht mit Bewilligung des Marixverlages Wiesbaden 2011.


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