Sorge dich nicht, ich bring etwas zu trinken Und essen mit. Die Liebkosungen machen Den Menschen hungrig, und die Küsse trocknen Die Kehle aus.

(Asiatische Liebeslieder)

Orientalische Liebesgedichte

Schöne Liebesgedichte, chinesische, japanische, türkische, armenische, persische, asiatische, indische Gedichte der Liebe.

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Im Wind

Zur kühlen Zeit des Jahres wehen Winde,
Die sich den Mädchen wie verliebte Buhlen
Zu nahen wissen: sie verwirren ihnen
Die Locken, machen ihre Lippen beben
Und küssen ihre Wangen heiß und rot,
Sie reißen vor der Brust das Mieder auf,
Ein Rieseln überkommt die feine Haut
Des vollen Busens, und die Schenkel zittern,
Und um die Hüften lockert sich der Schurz.

(Bhartrihari, 7.Jh., indische Liebeslyrik)

In der Nachdichtung von Hans Bethge, 1876-1946

Heller Tag

Uns beiden lacht die Jugend, - ist das nicht
Die schönste Zeit, sich liebend zu umfangen?
Dein Leib ist wie ein Bogen; wenn ich dich
Beglückt an meine Brust zieh, biegst du dich.
Dein Busen gleicht zwei Trauben edeln Weines,
Die sich auf deiner Brust entfalteten.
Und deine Kehle ist der Morgen: immer,
Wenn ich sie mir enthülle, sie zu küssen,
So leuchtet heller Tag vor mir empor.

(Die armenische Nachtigall, Lieder des Nahabed Kutschak, gest. 1592)

In der Nachdichtung von Hans Bethge, 1876-1946

Qualvolle Eifersucht

Ich habe heut den ganzen langen Tag,
Seitdem die Sonne überm Horizont
Heraufkam, und die ganze lange Nacht,
In der ich schlaflos in das Dunkel starrte,
Getobt vor Jammer und geweint vor Wut!

Denn du, ich weiss es, hast in einer Hütte
(Ich möchte sie den Flammen übergeben!)
Auf alten, schlechten, strohgeflochtnen Matten
(Die wert sind auf dem Kehricht zu vermodern!)
Die plumpen Wangen einer Bauerndirne
Gestreichelt und geküsst, und hast in Liebe
Bei ihr geweilt die ganze lange Nacht!

(Unbekannter Dichter, japanischer Liebeslyrik)

In der Nachdichtung von Hans Bethge, 1876-1946

Wunsch

Dies ist mein Wunsch: in meine kleinen Lieder
Mich völlig zu verbergen. So, Geliebte,
Dürft' ich beseligt deine Lippen küssen,
So oft du meine kleinen Lieder singst.

(Umara, 10. Jh., persische Liebeslyrik)

In der Nachdichtung von Hans Bethge, 1876-1946

Zu sterben ist mein Schicksal

O schöne Freundin, wenn die ganze Welt
Sich gegen mich erhebt: es gilt mir nichts,
Denn du bist mir genug, geliebte Freundin!

Ich habe mich der Liebe hingegeben
Und habe meiner Freunde Ratschlag nicht
Beachtet; und so bin ich in ein Leid

Gestürzt, wie es mein schlimmster Feind mir nicht
Bereiten könnte. Sieh dich vor, mein Herz!
Das süße Mondesantlitz hat die Pfeile

Von seinen Wimpern tödlich abgeschossen.
Zu sterben ist mein Schicksal. Dein Geschick,
O Herz, ist es mich jammernd zu beweinen.

(Fuzuli, 16. Jh., türkische Liebeslyrik)

In der Nachdichtung von Hans Bethge, 1876-1946

Der Liebe Lust

"Mein Lieb, mein Reh, verlaß mich nicht,
Ich lieb' dich, bis mein Auge bricht.
Nach dir allein ist mein Begehr;
Hab' dich ich, was verlang' ich mehr?"

So klingt der Gruß aus liebem Mund,
Der Freund, er that mir's selber kund;
Nun schweb' ich hoch im Weltenrund:

Lieg' offen, meiner Brust Gedicht,
Vor meines Freundes lieb Gesicht!
Trieft Myrrhe ihm, ihr Hände schwer,
Reich' ihm, mein Mund, der Huld Gewähr!

Denkst wohl, soll deiner Jagd erliegen,
Mich deinem würz'gen Munde schmiegen?
Komm' nur, ich werd' dich schon besiegen.

Denkst mich zu fangen, Bösewicht?
Seht doch! Bei mir sein Herze liegt,
An mein Gemach - gefesselt er,
Da liegt er unter sich'rer Wehr.

Doch komm! dich soll mein Garten schmücken,
Magst meiner Lippen Rosen pflücken,
An meinem Palmwuchs dich erquicken.

Nicht wahr, das ist ein süß Geflicht,
Das strahlt, das glänzt so sonnig licht?
Sind Dünste aus der Schönheit Meer,
Ziehn über meine Flur einher.

Denkst du des kühnen Flugs der Nacht,
Da du als Beute heimgebracht
Den Mond mitsammt der Sonne Pracht?

Sie schmückten nur mein Angesicht,
Umschlossen mich so warm, so dicht.
Ja, zu mir eilt des Himmels Heer,
Daß reichen Schmuck es mir bescheer'.

Wenn ich im Zwielicht dich umschließe
Und saug' an deiner Lippen Süße,
"Bist mein! bist mein!" dich jubelnd grüße,

Bist mein, bist mein, ich laß dich nicht,
Ruhst einzig mir am Busen dicht;
Dich gab mir Gott zur Lust, zur Ehr',
Bist mein, wie lieb' ich dich so sehr!

(Jehuda Halevi, 1075-1141, aus dem Diwan)

übersetzt von Abraham Geiger, 1810-1874

Der Demütige

Wenn du im Flusse deine schlanken Glieder
Gebadet hast, am dritten Tag des Mondes,
So schreitest noch begehrenswerter du
Einher, von seidenem Gewand umflossen,
Das deiner zarten Haut an Farbe gleicht.

Drei Becher Safran, - werden sie genügen,
Um deinen Hals, du Reizende, zu schminken,
Und deine Arme und dein Angesicht?

Kein Mädchen unsres Volkes weiß wie du
Die Männer zu betören. Wenn im Schatten
Der Palmen du lustwandelst gegen Abend,
So hast du Gesten, die erregender,
Und Augen, die verführerischer sind
Als man sie je bei andern Frauen sah.

Du bist von einer Frische, einem Glanz,
Daß du der Liebsten mehr besitzen könntest
Als Zufluchtsstätten sich in deinem Hause
Befinden, wo du sie verstecken kannst.

Des Morgens, wenn ich komme dich zu schauen
Auf der Veranda, um des einzigen
Vergnügens willen: leis mit dir zu plaudern,
Des Abends, wenn ich in das Hühnerhaus

Zu schlüpfen suche: um dir nah zu sein,
Des Nachts, wenn meine Hand durch jenes Loch
Des Mauerwerkes nahe deinem Lager
Zu dringen sucht, dich liebend zu umfangen, -

Ach möge deine Mutter gegen mich
Dann Flüche schleudern und Beleidigungen,
Ich nehme alles voller Demut hin.

Ich werde nicht gekränkt sein, werde sie
Nicht tadeln, nein, ich werde alles dulden,
Glaub, was ich dir verspreche, Liebste du.

Um eins nur fleh ich sehnsuchtsvoll: gestehe
In deinem Hause einen kleinen Winkel
Mir zu, wo ich mich still verbergen darf.

(aus: Siam, asiatische Liebeslyrik)

In der Nachdichtung von Hans Bethge, 1876-1946

Ein junger Dichter denkt an die Geliebte

Der Mond steigt aufwärts, ein verliebter Träumer,
Um auszuruhen in dem Blau der Nacht.

Ein feiner Windhauch küßt den blanken Spiegel
Des Teiches, der melodisch sich bewegt.

O holder Klang, wenn sich zwei Dinge einen,
Die, um sich zu vereinen, sind geschaffen.

Ach, was, sich zu vereinen, ist geschaffen,
Vereint sich selten auf der dunklen Erde!

(Sao-Han, 8. Jh., Chinesische Liebesdichtung)

In der Nachdichtung von Hans Bethge, 1876-1946

Der Verlassene

Obwohl du schön bist wie das Tal von Kaschmir
Bei Sonnenaufgang, treulose Geliebte, -
Glaub mir, ich bin auf deinen neuen Freund
Nicht eifersüchtig, der auf deinem Lager
Die nächste Nacht statt meiner ruhen wird.
Lad mich zu eurem Abendschmause ein!
Noch trag ich deines Körpers Duft an mir.

Sorge dich nicht, ich bring etwas zu trinken
Und essen mit. Die Liebkosungen machen
Den Menschen hungrig, und die Küsse trocknen
Die Kehle aus ... Dann sing ich euch die schönsten
Von meinen Liedern, die du einst mir lohntest
Mit deiner Tränen hellen Diamanten
Und mit den Glutrubinen deiner Küsse
Und mit den feinen Perlen deines Lachens ...
Noch trag ich deines Körpers Duft an mir.

Und heiß, gedörrt, zerrissen werd ich euch
Mein Herz auftragen, das durch die Verachtung,
Die du mir spendest, so verwandelt ward.
Und euren Durst zu löschen biet ich euch
In einem Kruge, statt der Milch, das Blut
Aus meinen Adern dar, damit die Liebe,
Nach deinem Wunsche, ganz aus mir entweicht.
Noch trag ich deines Körpers Duft an mir.

Und deinen Freund wird ich die Lieder lehren,
Die du so liebst. Wenn sie dein Innres treffen,
Reichst du die rote Schale deiner Küsse
Voll Sehnsucht dar. Noch gestern abend hab ich,
Der Wächter deiner Tür, sie dir gesungen,
Heut willst du sie aus anderm Munde hören.
Noch trag ich deines Körpers Duft an mir.

Und eine Strophe sing ich deinem Freunde,
Aus der er die geschickt-kunstvolle Art
Erfahren soll, das Haar dir aufzulösen,
Dir deine üppigen Flechten zu entwirren,
Die schwarz sind wie die Nacht und ganz beladen
Mit Wohlgerüchen und mit Goldgeschmeide,
Mit Blumen und dem Atem deiner Haut.
Noch trag ich deines Körpers Duft an mir.

O dieser wundersame Duft, davon
Mein Sehnen überquillt! O Honigduft,
O Duft nach Rosenwasser, Milch und Sandel!
O Ambraduft von deinen runden Schultern,
Der bei den Liebefesten mich verwirrte!
Noch trag ich deines Körpers Duft an mir.

Ich werde deinem Freund vorsingen, wie
Man Küsse pflückt von deinen Lippen, Küsse,
Die süß wie Datteln sind, und wie man alle
Erblühten Blumen pflückt von deinem Busen:
Narzissen, Nelken, Rosen ohne Zahl,
Und wie man alle Früchte, reich an Ruch,
Von deinem Hals pflückt: Pfirsiche, Orangen.
Noch trag ich deines Körpers Duft an mir.

Vorsingen werde ich ihm, wie er das Haupt
Auf deine rechte Schulter schmiegen soll,
Du herrliche, wo stolz und schlank geformt
Das schwarze Schönheitspflästerchen sich dehnt,
Das einem finstern Stern im Lichte gleicht,
Das einer dunklen Nelke gleicht im Schnee.
Noch trag ich deines Körpers Duft an mir.

Anzünden will ich einen Liebesbrand
Im herzen deines Freundes, mächtig wie
Er in mir selber lodert. Morgen dann
Will ich ihn leiden sehn die fürchterlichsten
Qualen der Hölle, die ich heute leide.
Denn du wirst ihn verlassen, um zu mir
Zurückzukehren. Heute aber ladet
Mich ein zu eurer Abendschmauserei!
Noch trag ich deines Körpers Duft an mir.

(Rahchan Kayil, 1853-1901, Afghanistan, asiatische Liebeslieder)

In der Nachdichtung von Hans Bethge, 1876-1946

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