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zitat

Ein bisschen Güte von Mensch zu Mensch ist besser als alle Liebe zur Menschheit.

- Richard Dehmel -

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Bekannte und weniger bekannte Liebesgedichte aus verschiedenen Epochen.

Nun bin ich eine heisse Sommernacht

Nun bin ich eine heisse Sommernacht,
In die ein Sternenregen niedersinkt,
Die reglos stumm durch dunkle Stunden wacht
Und offnen Mundes deine Sterne trinkt,

Du weiter seliger Himmel über mir!
Wie soll ich all den goldnen Segen fassen!
Wie brauner Acker lieg ich leer vor dir
Und muss von Liebe mich durchsäen lassen.

Ich bin mir nun so heilig wunderbar
Wie Kelch des Herrn in reinen Priesters Hand:
Denn auch in mir ward leiblich offenbar
Der Geist, den mein Gebet als Gott empfand.

(Gisela Etzel 1880-1918, deutsche Schriftstellerin)

Ob auch die stolze Sonne meint

Ob auch die stolze Sonne meint,
Sie achte nicht der Blume Blühen,
Die wendet dennoch mit Erglühen
Das Haupt hin, wo die Sonne scheint
Und wenn sie schied, in stiller Nacht,
Grüsst sie sie noch mit leisen Düften
Und sagt es den verschwieg'nen Lüften:
Ihr dank' ich meiner Blüte Pracht!

Und wendest du dich auch von mir,
Stolz wie die Sonne von den Blüten,
So kannst du es doch nicht verhüten,
Dass sich mein Wesen neigt zu dir
Und dass ich tausend, tausend Mal
Den stillen Lüften es erzähle:
Die duft'ge Blüte meiner Seele
Verdank' ich deinem Sonnenstrahl!

(Salomon Hermann von Mosenthal 1821-1877, deutscher Dichter)

Komm zu mir

O wende nicht dich ab von mir
Mit Augen tränenschwer!
Zog schöne Freude mich zu dir,
So tut's das Leid noch mehr.

Nicht frag' ich, was die süsse Lust,
Der Stimme Klang dir nimmt:
Es ist die reiche Menschenbrust
Am leichtesten verstimmt.

O schweig' nur still! Doch wenn ein Bann
Dich ungewohnt bezwingt,
Wenn, was dich sonst erfreuen kann
Mit holdem Schein, versinkt,

Wenn unter einer Seelenlast
Dein froher Mut entwich -
So komm zu mir zu stiller Rast
Denn sich - ich liebe dich.

(Marie von Najmájer 1844-1904, österreichische Schriftstellerin)

DU

Du bist die Helle meines Lebens,
Im Dunkeln ging mein Lauf -
Ich suchte lange dich vergebens:
Da ging dein Stern mir auf.

Du bist die Laute meiner Tage,
Mein heimlicher Gesang,
Verstummt ist meine düstre Klage
Bei deiner Stimme Klang.

Du bist die Ruhe meiner Nächte,
Mein Wiegenlied bist du -
Ich halte betend deine Rechte
Und schliess' die Augen zu.

(Isabelle Kaiser 1866-1925, schweizer Schriftstellerin)

Ich wollt', ich könnt' dein Herz belauschen

Ich wollt', ich könnt' dein Herz belauschen,
Wenn ungesehn und heimlich bunt
In seiner Tiefe die Gedanken
Wie Fischlein gehn am Quellengrund,
In dunkler Nacht, wenn stille Bilder
Lebendig in ihm auferstehn
Und seine Wünsche auf der Leiter
Des Traumes auf- und niedergehn.

Und was es klopft und was es sehnet
Ich schlöss' es treulich in mein Herz,
Und was es weint und was es seufzet,
Ich legt's zu meinem eignen Schmerz.
Und ging dann hin und thät' mir schneiden
Zum Wandern einen Stab im Feld,
Und ging, das Glück für dich zu suchen,
Hinaus in Gottes weite Welt.

Und spürt' ihm nach auf allen Wegen
Und wollt's erkämpfen treu und recht,
In harter Arbeit es erfröhnen
Demüthig als leibeigner Knecht;
Und wär's dem Himmel abzubitten,
Ich kniete hin mit heißem Flehn, -
Und wär's ein Herz, das zu gewinnen,
Ich wollt' es werben für dich gehn.

Und hätt' ich all' dein heimlich Sehnen
Und all' dein Träumen dann erfüllt,
Und jeden Gram von dir genommen
Und jede Thräne dir gestillt:
Dann wollt' ich gehn aus deinem Wege
Und fliehn dein Antlitz ewiglich,
Um nicht zu sehen, wie du fröhlich
Und glücklich sein kannst ohne mich!

(Karl Ferdinand von Fircks 1828-1871, deutsch-baltischer Dichter)

Liebesgedichte 13./14. Jh.

Du bist meinem Begehren

Du bist meinem Begehren ein Liebesfühlen,
Du bist meiner Brust eine süsse Kühlung,
Du bist ein inniger Kuss meines Mundes,
Du bist eine fröhliche Freude meines Fundes!
Ich bin in dir und du bist in mir,
Wir können einander nicht näher sein,
Denn wir zwei sind ineinandergeflossen
Und in eine Form gegossen
Und bleiben so ewig unverdrossen.

(Mechthild von Magedburg, um 1207-1282, deutsche Mystikerin)

Sonett 164

Die milde Luft, die sonnenwärts beweget
Und schwingt das Gold, so Amor webt und windet -
Mit schönen Augen und mit Locken bindet
Das müde Herz, die flücht'gen Geister reget.

Was nur von Mark und Blut mein Körper heget,
Es zittert, wenn es Jener Näh empfindet,
Die Tod und Leben oftmahls, wie sich's findet,
In wandelbarer Schale schwenkt und wäget,

Seh' ich die Strahlen brennen, so mich zünden,
Die Knoten blitzen, welche mich gefangen,
Und sich ob recht und linker Schulter breiten.

Ich fass' es nicht; drum kann ichs nimmer künden;
Von solchen Lichtern ist mein Geist befangen,
Gedrückt und matt von solchen Süssigkeiten.

(Francesco Petrarca 1304-1374, italienischer Dichter)

In der Übertragung von Karl August Förster, 1784-1841.

Liebesgedichte 15./16. Jh.

Liebesruhe

Um uns ergossen sich die Strahlen der Sommersonne
Und langes grünes Gras bedeckte die Felder,
Klee in grosser Menge und laubreiche Bäume zierten den Platz.
Dort lag ich und Gwen in voller Seligkeit,
Lehnend beide unter den Blumen,
Umgeben von einer Fülle von Klee.
Lippe an Lippe verbrachten wir die Zeit.
Von den Lippen des Mädchens ward mir ein Schmaus
Gleich dem des heiligen David in dem Chor von Hoduant,
Oder Taliesius am Hof Elphin's,
Oder der Tafelrunde zu Caerlleon,
Oder gleich den Engelfreuden im Paradiese.
Und wir Beide schwelgten so
Ohne eine Sorge um das, was gewesen,
Ohne einen Gedanken an das, was kommt.
Diese Höhe der Seligkeit war ohne Ende,
Denn wir hatten Beide nur einen Gedanken
Und sangen nur den ganzen Tag:
Dass wir wollten leben und lieben einander,
Leben nur von süssen Küssen
Und sterben Beide auch in ihnen.

(Rhys Goch ab Rhiccert, um 1400, englischer Dichter)

Übersetzt von San Marte (Ps. von Albert Schulz 1802-1893)

Sonett

Die Liebe, heisst es, schwur, nicht eine Stunde
Zu trennen sich von Eifersucht und Neid;
Und Schönheit schwur, sie wolle jederzeit
Mit sprödem Übermuthe gehn im Bunde.

Zwei Furien sind es auch der Hölle Schlunde,
Feindinnen jeglicher Zufriedenheit;
Die macht zur Qual der Liebe Süssigkeit,
Die raubt das Mitleid aus des Herzens Grunde.

Doch Lieb' und Schönheit brachen, was beschworen,
Bei Dir und mir, indem sie mir geschenket
Ein sel'ges Loos voll ungetrübter Freuden.

Denn seit mein Auge, Schönste! Dich erkoren,
Hast Du durch Sprödigkeit mich nie gekränket,
Noch schuf die Eifersucht mir jemals Leiden.

(Gaspar Gil Polo 1535-1591, spanischer Dichter)

Übersetzt von Friedrich Wilhelm Hoffmann, 1785-1869.

Im Golf der Liebe treib ich

Im Golf der Liebe treib' ich, fern vom Lande,
Auf Schifferstrümmern ohne Mast und Steuer,
Wo alle Meereswogen sind von Feuer,
Und sich an Herzen brechen, nicht im Sande.

Hier wein' ich, eng umschlungen von dem Bande
Eines Gedankens; meinem Irrthum treuer
Als meinem Heil, hofft' ich da Friedensfeier,
Wo Glut das Wort ist, so der Mund entsandte.

Auf diesem Meer, dem Untergange bebend,
Streck' ich die Augen aus, vom Weinen müde,
Und fern, ach, fern mein Friedenshafen winket:

Doch kaum jauchz' ich ihm zu, aufs Neu' erlebend,
Auf wacht des Busens Wurm, weg ist mein Friede,
Fort stürmt das Schiff, des Hafens Bild versinket.

(Luis Martinez de la Plaza 1585-1635, spanischer Dichter)

Übersetzt von Sebastian Mutzl, 1797-1863.

Ich leb, ich sterb

Ich leb, ich sterb: ich brenn und ich ertrinke,
ich dulde Glut und bin doch wie im Eise;
mein Leben übertreibt die harte Weise
und die verwöhnende und mischt das Linke

mir mit dem Rechten, Tränen und Gelächter.
Ganz im Vergnügen find ich Stellen Leides,
was ich besitz, geht hin und wird doch echter:
Ich dörr in einem und ich grüne, beides.

So nimmt der Liebesgott mich her und hin. Und wenn
ich manchmal mein, nun wird der Schmerz am grössten,
fühl ich mich plötzlich ganz gestillt und leicht.

Und glaub ich denn, ein Dasein sei erreicht,
reisst er mich nieder aus dem schon Erlösten
in eine Trübsal, die ich wiederkenn.

(Louise Labé, ca. 1524-1566, französische Lyrikerin)

In der Übersetzung von Rilke.

> mehr von Labé

Liebesgedichte 17./18. Jh.

Liebe will was eigenes haben

Wer liebet solchen mund /
Dem alle küsse schmecken
Und jederman mag lecken /
Und machen ungescheut die heisse flammen kund /
Der heut mit diesem scherzet /
Und morgen jenen herzet /
Ja der mit tausenden macht einen liebes-bund?
Wer liebet solchen mund?

2.

Da sitzt die biene nicht /
Wo wilde hummeln sitzen:
Sie sucht die süssen ritzen /
Da noch das wespen-heer nicht honig draus gekriegt.
Auch wo vergiffte spinnen
Den geiffer lassen rinnen /
Und wo die raupe schon ihr nest hat eingericht /
Da sitzt die biene nicht.

3.

Was nützt das rosen-blat

Worunter würme hecken?
Sein purpur setzet flecken /
Und wenn es nun nicht mehr die schönen farben hat /
So mag es keiner sehen /
Der wind muß es verwehen /
Sein stengel gönnet selbst ihm endlich keine statt.
Was nützt das rosen-blat?

4.

Die recht geliebt wil seyn /
Muß sich zu einem halten /
Sonst wird die lieb erkalten /
Sont reisset zorn und haß den heissen vorsatz ein.
Denn welche jede ehren /

Davon mag keiner hören /
Darum die jenige lieb einen nur allein /
Die recht geliebt wil seyn.

Johann von Besser 1654-1729, deutscher Dichter

Ich bitte nicht um süsses Glück der Erde

Ich bitte nicht um süsses Glück der Erde,
So viels dem Herzen Freude schafft;
Nur dass ich, Gott, Dir treu' erfunden werde
Dazu gieb meiner Seele Kraft.

Lass mich Dein Wort zu meinen Pflichten stärken
Und fördre jeden guten Trieb,
Lass allzeit mich auf Deine Wege merken
Und, wo ich fehle, da vergieb.

Herr! Deine Tröstung lass mich sehen,
Wenn mich des Lebens Sorge drückt,
Und mich nicht unruhvoll den letzten Schlaf erflehen,
Der in der Erde Schoos erquickt.

Ach! wenn dahin ich frohe Blicke lenke,
Voll mancher reinen Himmels Lust
Und ihn mit Wonne-Zähren denke,
So sey Dein Fried in meiner Brust.

(Charlotte Sophie Sidonie Seidel 1743-1778, deutsche geistliche Lyrikerin)

Liebesgedichte 18./19. Jh.

Ich denke dein

Ich denke dein, wenn sich im Blütenregen
Der Frühling malt;
Und wenn des Sommers mild gereifter Segen
In Ähren strahlt.

Ich denke dein, wenn sich das Weltmeer tönend
Gen Himmel hebt,
Und vor der Wogen Wuth das Ufer stöhnend
Zurücke bebt.

Dein denk' ich, wenn der junge Tag sich golden
Der See enthebt,
An neugebornen zarten Blumendolden
Der Frühtau schwebt.

Ich denke dein, wenn sich der Abend rötend
Im Hain verliert,
Und Philomelens Klage leise flötend
Die Seele rührt.

Dein denk' ich, wenn im bunten Blätterkranze
Der Herbst uns grüsst;
Dein, wenn, in seines Schneegewandes Glanze,
Das Jahr sich schliesst.

Am Hainquell, ach! im leichten Erlenschatten
Winkt mir dein Bild!
Schnell ist der Wald, schnell sind die Blumenmatten
Mit Glanz erfüllt.

Beim trüben Lampenschein, in bittern Leiden,
Gedacht' ich dein!
Die bange Seele flehte nah' am Scheiden:
"Gedenke mein!"

Ich denke dein, bis wehende Zypressen
Mein Grab umziehn;
Und selbst in Lethe's Strom soll unvergessen
Dein Name blühn!

(Friederike Brun 1765-1835, dänische Schriftstellerin)

Liebesgedichte 19./20. Jh.

Dem einzig Geliebten ins Ohr

Wie bist du mir angenehm!
Deine Züge sind so schön
Und brennend deine Augen
ich kann nicht widerstehn!

Ich berge ratlos mein erglühendes Gesicht
In Beben
An deinem Hals –
Verurteile die Liebend-Schwache nicht!

So süss ist Liebe – –

Und kurz das Leben
Und ach!
So lange, lange ist man tot ...

(Elsa Asenijeff 1867-1941, österreichische Schriftstellerin)

Du bist so schön

Du bist so schön,
Ob du sinnst oder lachst,
Dass du zittern machst!
Verzeih der Schwachen,
Weil du so wunderbar und köstlich bist!
Jedwedes Leid wollt ich künftig ertragen
Wär es über ein Glück an deiner Brust gegangen!

Alles Arge wird nur kleinlich sein –
Hat mich endlich dein Arm umfangen!
Kosend möcht ich meine weichen Wangen
An die deinen legen,
Bis leise suchend Lippe an Lippe haucht
Und dein brennender Mund
In meinen taucht!

(Elsa Asenijeff 1867-1941, österreichische Schrifstellerin)

Wunsch der Liebe

O könnten wir doch, du und ich,
Einst in derselben Stund' erblassen!
O möchte doch einst dich und mich
Ein und derselbe Sarg umfassen!

Für ächter Liebe treuen Bund
Gibt es kein grösser Glück auf Erden,
Als: leben dürfen Mund an Mund,
Und Hand in Hand begraben werden!

(Faust Pachler 1819-1891, deutsch-österreichischer Dichter)

Sag immer wieder, dass du mich liebst

Sag immer wieder und noch einmal sag,
dass du mich liebst. Obwohl dies Wort vielleicht,
so weiderholt, dem Lied des Kuckucks gleicht,
wie dus empfandest: über Tal und Hag.

und Feld und Abhang, beinah allgemein
und überall, mit jedem Frühling tönend.
Geliebter, da im Dunkel redet höhnend
ein Zweifelgeist mich an; ich möchte schrein:

Sag wieder, dass du liebst. Wer ist denn bang,
dass zu viel Sterne werden: Ihrem Gang
sind Himmel da. Und wenn sich Blumen mehren,

erweitert sich das Jahr. Lass wiederkehren
den Kehrreim deiner Liebe. Doch entzieh
mir ihre Stille nicht. Bewahrst du sie?

(Elizabeth Barrett-Browning 1806-1861, englische Dichterin)

So deine Küsse

Abendwind in dunkler Rosen Blätter
Haucht und weht und Düftewogen wühlt,
So deine Küsse!

Stachelbiene, die in Haideblumen
Sommerschwere, schwüle Süsse saugt,
So deine Küsse!

Tiger, der in bange Menschenlippen
Seine wilden Todesfänge bohrt,
So deine Küsse!

(Hermione von Preuschen 1854-1918, deutsche Malerin, Dichterin)

Eine Erinnerung

Still war das Dorf, und längst verklungen
Der Schmiede letzter Hammerschlag.
Wir hatten Hand in Hand geschlungen
Und schauten niedergehn den Tag.

Du sahst hinüber in das Blinken
Der Sonne auf dem Kirchendach,
Ich aber sah die Träne sinken,
Die stumm aus deinem Auge brach.

Wir trugen unsre Schmerzgeschichten
So Hand in Hand. - Der Tag war fort,
Da starrten wir ins Laub der Fichten,
Und sprachen beide nicht ein Wort.

(Emil Claar 1842-1930, deutscher Schriftsteller)

Ich möchte in heissem Glutverlangen

An brennenden Lippen schauernd hangen,
In lodernde Augen seh'n -
In Augen, aus welchen die Liebe spricht,
Die sehnend auch mir im Herzen glüht -
In seligen Schauern vergeh'n!
O Liebe, Du bist das Himmelreich

Und auch die flammende Hölle zugleich -
Bist Dämon und Gott allzumal -
Bist blühendes Leben und grausiger Tod
Und nächtliches Dunkel und Morgenrot
Mit Deiner seligen Qual!

(Karoline Bruch-Sinn 1853-1911, österreichische Lyrikerin

Der halbgeküsste Kuss

Des halbgeküssten Kusses Feuer
Brennt uns entgegen.
Kalt ist der Abend. Bisweilen laufen wir,
Laufen wir weinend:
Das Ziel kommt nicht näher.

Wir bleiben stehen oft, umarmen uns oft,
Brennen und frösteln zugleich.
Du stösst mich von dir: Mir und auch dir
Voll Blut die Lippen.
Heut gibt’s keine Hochzeit.

Nach vollbrachtem Kuss wären wir so gern
Versöhnt gestorben.
Doch der Kuss muss sein; das verlangt die Glut.
Voll Wehmut flüstern wir:
Morgen. Vielleicht morgen.

(Endre Ady 1877-1919, ungarischer Dichter)

Herbstliche Liebe

Meine Seele spinnt dich ein;
schimmernde Marienfäden
sollen ihre Häscher sein.

Ihre Schlingen fühlst du kaum.
Eine rote Märtyrkrone
brech ich dir vom Eschenbaum.

Deine Stirne küss ich bleich -
und so führ ich dich gefangen
mitten durch mein Schattenreich.

Du wirst ganz mein eigen sein,
wirst verbluten und verblühen -
meine Seele spinnt dich ein.

(Clara Müller-Jahnke 1861-1905, deutsche Dichterin)

An den unsterblichen Geliebten

Meere sind zwischen uns und Länder und Tage.
Aber ich weiss,
Du wartest auf mich
Jetzt und immer.
Wissend und gut.
Meere sind zwischen uns und Länder und Tage.

Ich sehne mich nach dir,
Nach deinen sanften Händen,
Nach deiner frommen Schönheit,
Nach deiner klugen Güte.
O ich sehne mich nach dir.

Alles, was ich habe, will ich dir schenken,
Alles was ich denke, will ich dir denken,
Ich will dich lieben in allen Dingen,
Meine schönsten Worte will ich dir singen,
All meine Schmerzen und Sünden will ich dir weinen.
Meiner Seligkeit Sonnen werden dir scheinen.
Was ich bin, will ich dir sein.

Meine Träume sind voll deiner Zärtlichkeit.
Mein Blut singt süss deine Unendlichkeit.
Weisse Seele
Unsterblich Geliebter.

Du blühst sehr wunderbar
Im Gestirn meiner Liebe,
Im Schauer meiner Ängste,
Im Lachen meines Glücks.

Du blühst sehr wunderbar
Im Gestirn meiner Liebe.

(Francisca Stoecklin 1894-1931, schweizer Lyrikerin)

Ewigkeiten

So beginnen Ewigkeiten – –

Wenn von herbstdurchbebten Bäumen
still die Blätter niedergleiten,
wenn in blauen Sehnsuchtsweiten
eines Vogels Lied verweht – –

Wenn ich tief in deinen Augen
deine reine Seele grüsse
und wir dann im Sonnensinken
wortlos betend heimwärts schreiten – –

So beginnen Ewigkeiten. –

(Bruno Ertler 1889-1927, österreichischer Schriftsteller)

Quelle: Eva Lilith, Gedichte von Bruno Ertler, Seite 18, Wiener Literarische Anstalt 1919.

Liebesgedichte bekannter Dichter und Dichterinnen

An die Ersehnte

Ich habe dich Gerte getauft, weil du so schlank bist
und weil mich Gott mit dir züchtigen will,
und weil eine Sehnsucht in deinem Gang ist
wie in schmächtigen Pappeln im April.

Ich kenne dich nicht - aber eines Tages
wirst du im Sturm an meine Türe klopfen,
und ich werde öffnen auf dies Klopfen,
und meine zuchtlose Brust wird gleichen Schlages
an Deine zuchtlosen Brüste klopfen.

Denn ich kenne dich - deine Augen glänzen wie Knospen,
und du willst blühen, blühen, blühen!
und deine jungen Gedanken sprühen
wie gepeitschte Sträucher an Sturzbächen;
und du möchtest wie ich den Stürmen Gottes trotzen
oder zerbrechen!

(Richard Dehmel 1863-1920, deutscher Dichter)

Die Frage

Über dem Brünnlein nicket der Zweig,
Waldvögel zwitschern und flöten,
Wild Anemon' und Schlehdorn bleich
Im Abendstrahle sich röten,
Und ein Mädchen mit blondem Haar
Beugt über der glitzernden Welle,
Schlankes Mädchen, kaum fünfzehn Jahr,
Mit dem Auge der scheuen Gazelle.

Ringelblumen blättert sie ab:
»Liebt er?« - »liebt er mich nimmer?«
Und wenn »liebt« das Orakel gab,
Um ihr Antlitz gleitet ein Schimmer:
»Liebt er nicht« - o Grimm und Graus!
Dass der Himmel den Blüten gnade!
Gras und Blumen, den ganzen Strauss
Wirft sie zürnend in die Kaskade.

Gleitet dann in die Kräuter lind,
Ihr Auge wird ernst und sinnend;
Frommer Eltern heftiges Kind,
Nur Minne nehmend und minnend,
Kannte sie nie ein anderes Band
Als des Blutes, die schüchterne Hinde;
Und nun Einer, der nicht verwandt
Ist das nicht eine schwere Sünde?

Mutlos seufzet sie niederwärts,
In argem Schämen und Grämen,
Will zuletzt ihr verstocktes Herz
Recht ernstlich in Frage nehmen.
Abenteuer sinnet sie aus:
Wenn das Haus nun stände in Flammen,
Und um Hilfe riefen heraus
Der Karl und die Mutter zusammen?

Plötzlich ein Perlenregen dicht
Stürzt ihr glänzend aus beiden Augen,
In die Kräuter gedrückt ihr Gesicht,
Wie das Blut der Erde zu saugen,
Ruft sie schluchzend: »Ja, ja, ja!«
Ihre kleinen Hände sich ringen,
»Retten, retten würd' ich Mama,
Und zum Karl in die Flamme springen!

(Annette von Droste-Hülshoff 1797-1848, deutsche Schriftstellerin)

Schlaflied

Einmal wenn ich dich verlier,
wirst du schlafen können, ohne
dass ich wie eine Lindenkrone
mich verflüstre über dir?

Ohne dass ich hier wache und
Worte, beinah wie Augenlider,
auf deine Brüste, auf deine Glieder
niederlege, auf deinen Mund.

Ohne dass ich dich verschliess
und dich allein mit Deinem lasse
wie einen Garten mit einer Masse
von Melissen und Stern-Anis.

(Rainer Maria Rilke 1875-1926, deutsch-österreichischer Dichter)

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O Mensch! gib acht...

Was spricht die tiefe Mitternacht?
"Ich schlief, ich schlief -,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: -
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht,
Tief ist ihr Weh -,
Lust - tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit -,
- will tiefe, tiefe Ewigkeit!"

(Friedrich Nietzsche 1844-1900, deutscher Dichter und Philosoph)

An deinen Brüsten die Stunden

An deinen Brüsten die Stunden,
Die Stunden in deinen Armen
Sind zeitlos weit.
Ich kenne die Erde nicht mehr,
Wenn ich von dir wieder zur Erde gehe.

Die Strassen so seltsam,
Schwarz, nachtkühl in den Morgenstunden,
Schwülgelb der Laternenschein,
Die Strassen leer, und ich so allein,
Und doch gehen tausend Dinge
Neben mir her.
Meine Schritte klingen,
Und die Augen von tausend Dingen
Sehen nach mir.

(Max Dauthendey 1867-1918, deutscher Dichter)

Sprich! unter welchem Himmelszeichen

Sprich! unter welchem Himmelszeichen
Der Tag liegt,
Wo mein Herz, das doch mein eigen,
Nicht mehr wegfliegt?
Und, wenn es flöge, zum Erreichen
Mir ganz nah liegt? -
Auf dem Polster, dem süssen, dem weichen,
Wo mein Herz an ihrem liegt.

(Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832, deutscher Dichter)

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Verständige Liebe

O Liebe, die ich endlich nun erfasst
Und die du mich so ganz ergriffen hast,
Dass ich nur dir, nur dir zu eigen bin,
Nimm mich; nimm mich; ich gebe mich dir hin.

Wer sich mit seinem Sein in dich versenkt,
Dem wird von dir ein besseres geschenkt,
Denn was du von ihm nimmst, gibst du als Glück,
Als Seligkeit ihm tausendfach zurück.

So will ich durch dich und in dir allein
Nur im Beglücken selbst auch glücklich sein,
Will nimmer rasten und will nimmer ruhn,
Nur was du willst, nichts Anderes zu tun.

Jedoch damit ich ja nicht irre geh
Und unter Lieben schwach zu sein versteh,
So gib mir deinen Bruder an die Hand,
Den klugen Lebensführer, den Verstand!

(Karl May 1842-1912, deutscher Schriftsteller)

Die Liebe lehrt

Die Liebe lehrt
Mich lieblich reden,
Da Lieblichkeit
Mich lieben lehrte.

Arm bin ich nicht
In deinen Armen,
Umarmst du mich
Du süsse Armut.

Wie reich bin ich
In deinem Reiche,
Der Liebe Reichtum
Reichst du mir.

O Lieblichkeit!
O reiche Armut!
Umarme mich
In Liebesarmen.

(Clemens Brentano 1778-1842, deutscher Schriftsteller)

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