Es gibt nicht immer einen Anfang und ein Ende. Einige Dinge müssen unbeendet bleiben. Dies gilt für die wirklichen Freundschaften und für die starken Lieben.

(Aus Griechenland)

Liebesgedicht & Spruch des Monats

Jeden Monat ein schönes Gedicht, ein Spruchbild zum Ausdrucken auf eine Karte oder ein kleiner feiner Geschenktipp sowie eine tiefsinnige Lebensweisheit.

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Liebesgedicht des Monats SEPTEMBER

Komm

Komm zum Walde! Falter wiegen
Sich im grünen Dämmerschein,
Zärtliche Gedanken fliegen,
Und die Vögel schmettern drein.
An der Quelle will ich liegen,
Deine Hand mein Becherlein,
Und mein Arm soll dich umschmiegen
Und mein Aug' dein Spiegel sein.
Komm, o komm! wir wollen lauschen,
Was der Wald von Liebe spricht.
Er wird rauschen – Küsse tauschen
Werden wir im Dämmerlicht.

(Mia Holm, 1845-1912, deutsche Schriftstellerin)

S P R U C H
Der Himmel lacht kitschig blau und die Vöglein singen laut. Blumen stecken fürwitzig ihre Köpfchen in die Sonne und leuchten was das Zeugs hält. Nur für dich.

(© Jo M. Wysser)

Liebesgedicht des Monats AUGUST

Wer freundlich ist, auch gerne küsst

Küssen kann uns verbinden,
küssen rühret Mund und Brust,
küssen, küssen machet Lust,
küssen kann uns überwinden,
küssen macht die beste Treu,
küssen machet alles neu.

Solches merkt ich neulich eben,
Da ich mit Betrug und List
Eine schöne Nymphe küßt!
Ei wie stärkte sich mein Leben,
Als ich sie so wohl berückt
Und an meinen Mund gedrückt.

Sie tat zornig und ich lachte,
Weil mein ungewaschen Maul
Sich erwiese gar nicht faul,
Sondern so behende machte,
Daß ihr zuckersüßer Mund
Gleich auf meinen Lippen stund.

O wie zappelte mein Herze!
O wie lieblich kam mirs für,
Daß ich eine solche Zier
Unverhofft im stillen Scherze,
So erschlenderte fein sacht
Und um einen Kuß gebracht!

Wahr ist's, daß ich mich ergötzte,
Als mir neulich nicht geschehn,
Denn bei ihrem Sauersehn
Machte sie, daß ich mich letzte,
Weil bei ihrer Lieblichkeit,
Halber Zorn war eingestreut.

Und darüber mußt ich gehen;
Als ich nun nach Hause kam,
Und mir was zu Sinne nahm,
Konnt ich weder gehn noch stehen,
Sondern setzte mich gleich hin,
Ganz mit einen andern Sinn.

Saß auch eine lange Stunde,
Da ich nichts nicht anders tat,
Als nur mit den Füßen trat,
Und mit still und stummem Munde,
Stets die Lippen angeleckt,
Und mich hin und her gerekt.

Wär ich nicht verstöret worden,
Weil gleich jemand zu mir kam,
Und mich bei den Händen nahm,
Sagend: was ist das für Orden?
Säß ich, halt' ich, noch allein,
Und beleckte mich so fein.

Schaut ihr Nymphen, solche Lippen
Seind euch worden anvertraut,
Daß fast unsre ganze Haut
Sich zerstößt an diesen Klippen,
Wo ihr aber selber wollt,
Macht ihrs feiner, als ihr sollt.

Küßt derhalben immer wieder,
Wenn euch etwan jemand küßt
Weil ihr nichts hierbei vermißt,
Als daß eure Augenlieder
Müßen auf und niedergehn,
Küßen steht doch allzeit schön.

(Adam Krieger, 1634-1666, deutscher Komponist und Kirchenmusiker)

S P R U C H - Z I T A T
Weil ich dich genommen habe, so muss ich dich jetzt haben, und weil ich dich haben muss, so will ich dich lieber gerne haben!

(Johann Friedrich Flattich, 1713-1797)

> Küssen Gedichte und Sprüche

Liebesgedicht des Monats JULI

Dein Leben spielt anderswo

Wachst du wohl wie ich in dieser dunklen Nacht?
Im Geheimen und voller Zärtlichkeit denke ich an dich, wie wenn Lieben verboten wäre.

Und doch, dein Leben spielt anderswo
und was wäre wenn... keine Frage.
Es sind die Stunden gross,
die Augenblicke, was will man mehr.

Du rufst mich an, warst noch spazieren.
Verschwiegen ist die Nacht
und meine Seele schwingt.
Nur deine Stimme, Wortgeheimnisse.

Und doch, dein Leben spielt anderswo
und was wäre wenn... keine Frage.
Es sind die Stunden gross,
die Augenblicke, was will man mehr.

Und plötzlich scheint der Mond, die Sterne lächeln und du und ich, für einen Augenblick zieht die Sehnsucht mit den Wolken.

Und doch, dein Leben spielt anderswo...

(© Monika Minder)

> Songtexte, deutsche Liebeslieder

S P R U C H - Z I T A T
Man muss sich für die Liebe interessieren, nicht für das Glück.

(© Monika Minder)



KLEINE GESCHICHTE
Ares und Aphrodite ruhten auf rosigem Wolkenpfühl, kosten, träumten und warfen zeitweise dem Getriebe der Lebewesen auf der rollenden Kugel Erde einen lässigen Blick zu. Nun aber ging dort etwas vor, das die regere Aufmerksamkeit der Schaumgeborenen erweckte und ihr zu denken gab. Ihre Stirn umflorte sich; sie schloß den olympischen Heros fester an ihr Herz und fragte: "Wie lang wird unsere Liebe dauern? Was meinst du wohl?" Ares küßte ihre ambrosischen Lippen. "Das weiß ich so wenig, wie du es wissen kannst, himmlische Spenderin seligster Stunden", sprach er, "und kein Gott weiß es." "Nun denn, schau und höre!" Sie deutete mit der Hand auf vier Erdbewohner, von denen zwei, zärtlich umschlungen, dahinwallten, zwei, Flügel an Flügel geschmiegt, sich in der Luft wiegten: ein Menschenpaar und ein Paar Eintagsfliegen, und beide Pärchen, Menschen und Eintagsfliegen, schwuren einander feurig, aus tiefinnerster, jubelvoller Überzeugung – ewige Liebe. Der Gott und die Göttin lächelten, ein bißchen ironisch, ein bißchen wehmütig: "Eigentlich – beneidenswert!", sagten sie.

(Marie von Ebner-Eschenbach, 1830-1916, österreichische Erzählerin, Novellistin und Aphoristikerin)


schwarze Tasche mit Katze bedruckt und Love Cat

Liebesgedicht des Monats JUNI

An Anna Blume

Oh Du, Geliebte meiner 27 Sinne, ich liebe Dir!
Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, - - - wir?
Das gehört beiläufig nicht hierher!

Wer bist Du, ungezähltes Frauenzimmer, Du bist, bist Du?
Die Leute sagen, Du wärest.
Laß sie sagen, sie wissen nicht, wie der Kirchturm steht.

Du trägst den Hut auf Deinen Füßen und wanderst auf die Hände,
Auf den Händen wanderst Du.

Halloh, Deine roten Kleider, in weiße Falten zersägt,
Rot liebe ich Anna Blume, rot liebe ich Dir.
Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, - - - - -  wir?
Das gehört beiläufig in die kalte Glut!
Anna Blume, rote Anna Blume, wie sagen die Leute?

Preisfrage:
1.) Anna Blume hat ein Vogel,
2.) Anna Blume ist rot.
3.) Welche Farbe hat der Vogel.

Blau ist die Farbe Deines gelben Haares,
Rot ist die Farbe Deines grünen Vogels.
Du schlichtes Mädchen im Alltagskleid,
Du liebes grünes Tier, ich liebe Dir!
Du Deiner Dich Dir, ich Dir, Du mir, - - - - wir!
Das gehört beiläufig in die - - -  Glutenkiste.

Anna Blume, Anna, A----N----N----A!
Ich träufle Deinen Namen.
Dein Name tropft wie weiches Rindertalg,
Weißt Du es Anna, weißt Du es schon,
Man kann Dich auch von hinten lesen.
Und Du, Du Herrlichste von allen,
Du bist von hinten, wie von vorne:
A------N------N------A.
Rindertalg träufelt STREICHELN über meinen Rücken.
Anna Blume,
Du tropfes Tier,
Ich ------- liebe ------- Dir!

(Kurt Schwitters, 1887-1948, deutscher Künstler, Maler, Dichter, Raumkünstler und Werbegrafiker)

S P R U C H - Z I T A T
Weisst du es, Anna, weisst du es schon? Man kann dich auch von hinten lesen und du, du Herrlichste von allen, du bist von hinten wie von vorne "a-n-n-a".

(Kurt Schwitters)

Auf der Düne

Als Deine Linke
Unter dem Haupt mir lag,
Und Deine Rechte
Mich wiegte und herzte,
War es wohl sonnige Zeit . . .
Als ich, die Augen voll Tränen,
Immer ins Blaue starrte,
In die schüchtern grünenden Wipfel,
Sang mir's im Herzen:
Gesegnet, gesegnet
Seien die länger werdenden Tage!

(Irene Forbes-Mosse, 1864-1946, deutsche Schriftstellerin)


Tasse schenken

Tasse bedruckt mit Lieblingsgedanke und Herzchen in rot und türkis

Liebesgedicht des Monats MAI

Der Wonnemond

O wonniglicher, wohlgezierter Mai,
Dein Lustgeschrei
Bringt Freude mancherlei,
Besonders aber, wenn dabei
Ein Tanz sich reihet und sich zwei
Mit Händen schön erlangen.
Grün ist der Wald, Berg, Au und Thal.
Die Nachtigall
Und aller Vögel Schall,
Zahllos im Wiederschall,
Erklingen überall!
Die frohe Zeit bannt Ungemach,
Erwach',
Zu lieben Ach!
Sei hurtig und nicht schwach,
In Eile geh' und hang' ihr nach!
Du sahst sie lange nicht - nun mach',
Daß weiße Aermlein dich umfangen!

(Oswald von Wolkenstein, um 1377–1445, italienischer Sänger, Dichter, Politiker)

Übersetzt von Johannes Schrott (1824-1900).

S P R U C H - Z I T A T
Dein Leben sei der verlängerte Mai, deine Ehe die verlängerte Liebe.

(Jean Paul, 1763-1825)

Muttertag Gedicht

An die Mutter

... Doch nun zu dir, einzige Mutter.
Ich bin mit meinen Gedanken so oft bei dir.
Ich lerne dich mehr und mehr verstehen.
Ich ahne dich.
Wenn meine Gedanken bei dir sind,
dann ist es, als ob mein kleiner,
unruhiger Mensch sich an etwas Festem,
Unerschütterlichem festhält.
Das Schönste aber ist, daß diese Feste,
Unerschütterliche so ein großes Herz hat.
Laß dir danken, liebe Mutter,
daß Du Dich so uns erhalten hast.
Laß dich ganz ruhig und lange umarmen.

(Paula Modersohn-Becker, 1876-1907, deutsche Malerin, gilt heute als Wegbereiterin des Expressionismus)

Liebesgedicht des Monats April

Nicht im Schosse des Lenzes

Nicht im Schosse
Des Lenzes gehegt,
Als zartes Knösplein,
Das zaghaft sich regt:
So keimte uns nicht
Die Herzensliebe,
Nein! sie ward geboren
In Sturmgestiebe -
In leidenschaftlichem
Wirbelwind,
In Flammenstrudeln
Versunken wir sind . . .
Wie die schlanke Föhre
Auf Bergesgrat
Vom Blitzesstrahl
Gespalten ich ward,
So sinke in Deine
 Arme ich hin -
Und bar des Bewusstseins,
Der Kraft ist mein Sinn.
Ich zittre, ich bebe,
Voll Atem ich bin:
"So nimm mich, nimm alles,
Mein Leben nimm hin!"

(Aspazija, 1865-1943, lettische Dichterin)

S P R U C H - Z I T A T
Eines weiss ich, und dies eine giebt mir Kraft und Zuversicht: Keine Macht war noch so dunkel, der nicht obgesiegt das Licht. Keines Winters Eis so feste, dass der Lenz es nicht durchhieb. Keines Kerkers Wand so ewig, dass die Zeit sie nicht zerrieb!

(Anastasius Grün, 1808-1876)

Vorfrühling

Verdrießlich schmilzt der letzte Schnee,
Der Erde braunes Antlitz seh' ich;
Gebannt mit feuchten Augen steh' ich,
Das altvertraute anzuschauen.
Gesendet vom befreiten See
Die Winde atm' ich froh, die lauen,
Und fühle sacht vom Herzen tauen
Ein heimlich namenloses Weh.

II.
Horch, die jungen Keime klopfen
An die feuchte Erdenmauer,
Milde streicht in dicken Tropfen
Durch die Luft ein Frühlingsschauer.
Langsam wandernd laß ich's gern
Mir auf Haar und Wangen regnen -
Wär' der Freund nicht allzufern,
Mein' ich, müßt' er mir begegnen.

(Ricarda Huch, 1864-1947, deutsche Schriftstellerin, Philosophin)

Liebesgedicht des Monats März

Du von rechts und ich von links

Du von rechts und ich von links
kamen wir über den Weg,
kannten uns nicht und - kannten uns doch,
hole der Kuckuck das schnurrige Dings -
von rechts kamst du und ich von links
über denselben Weg.

Langsam ging meine blonde Sphinx
über den schmalen Weg -
liebten uns gar und - liebten uns nicht.
fassten die Hand, halloh, so gings,
von rechts her du und ich von links
ein Stück denselben Weg.

Närrisch sind wir und Narren rings
geleiten unsern Weg.
Wir lachen sie aus und - lachen auch nicht.
- Wir schaun auf die Flügel des Schmetterlings,
nun flattert er rechts, jetzt fliegt er links
lustig über den Weg.

Gold blinkt im Becher - stoss an und trinks:
es leb unser kleiner Weg!
Wir sehn uns wohl noch - oder sehen uns nicht -
Was tuts? Sei lustig, blonde Sphinx
und küss mich rechts und küss mich links
auf unserm kleinen Weg!

(Hanns Heinz Ewers, 1871-1943, deutscher Schriftsteller, Filmemacher, Globetrotter, Kabarettist)



© Bild Monika Minder, darf nicht im Internet und nicht kommerziell genutzt werden. Darf für eine private Karte kostenlos ausgedruckt werden.

Bild-Text:

Glück trägt den Namen Liebe, wie die Blumen ihre Farben.

(© Jo M. Wysser)

S P R U C H
Das heisst Leben und Liebe eins sein lassen, dass die Liebe das Leben ist und das Leben die Liebe.

(Georg Büchner, 1813-1837)

Liebe

Wer kann nennen,
Was sich nicht nennen läßt,
Wer bekennen,
Was unser Sinn nicht faßt,
Was göttlich in uns hallt,
Was sehnend uns durchwallt,
Die heiligen Triebe
Der allumfassenden Liebe,
Die du im Herzen hast?

(Reinhard Johannes Sorge, 1892-1916, deutscher Schriftsteller)

Liebesgedicht des Monats Februar

Seit ich dich kenne

Grüner ist die Wiese
Seit ich dich kenne.
Spürst du noch die sanfte Brise
Und die Welle?

Weisst du noch wie alles anfing
An dem grossen Gestern?
Regentropfen fielen
Und wir sprachen vom Wetter.

Wolken und Wind lieben wir immer noch
Wir reden von Freiheit
Und unserer Freundschaft
Vom älter werden auch noch.

Ich lese dir Brecht vor am Kamin
Mein Lieblingsgedicht anhin:

"Ich will mit dem gehen, den ich liebe ..."

Mehr will ich nicht.

(© Monika Minder)

S P R U C H
Freunde sind wie Sterne. Sie leuchten uns in der Dunkelheit und wärmen uns den Tag.

(© Monika Minder)

Unsere Liebe

In einer Unendlichkeitsschleife ziehen
Erinnerungen durch Herz und Seele.
Leicht uns sanft sammeln wir Frühling.
Das ist unsere Liebe.

(© Monika Minder)

Liebesgedicht des Monats Januar

Sonnett

Wie ich Dich liebe, möcht' ich gern Dir sagen,
Wie all mein Denken Dir sich muß verbinden,
Zum schönen Kranze möcht' ich für Dich winden
Mein süßes Glück und meine stillen Klagen.

Doch was ich auch ersann, fühl' ich entschwinden,
Wenn Du mir nahest, und mit bangem Zagen
Mag ich es nimmer auszusprechen wagen,
Die rechten Worte weiß ich nicht zu finden.

Nicht eigenmächtig kann den Schritt ich lenken,
Du schriebst die Bahn mir vor, nun muß ich immer
Umkreisen Dich, Du wunderbare Sonne.

In Deiner Nähe flieht, ein matter Schimmer,
Vergangenheit und Zukunft meinem Denken,
Dann fühl' ich nur des Augenblickes Wonne.

(Johanna Schultze-Wege, 1844-1918, deutsche Schriftstellerin, Dichterin, Übersetzerin)

Winternacht

Der Schnee deckt die Erde, 's ist dunkel und kalt,
Der Wintersturm brauset und schüttelt den Wald,
Er peitschet die Wolken am Monde vorüber,
Und schneller nun kommen sie, trübe und trüber.
"Willkommen mir, Finsternis, Stürme und Schnee,
Ihr stimmet so gut zu dem eigenen Weh!
Da drinnen ist's dunkel, und nimmer ruht
Der trüben Gedanken stürmische Flut.
Ihr Sturmbezwinger, dem Winter gesellt,
Ihr Nebelgestalten der Schattenwelt,
Ich ruf' Euch, der Schwere des Kampfes bewußt,
O lehrt mich bezwingen den Sturm in der Brust!
Erfüllet mich mit der uralten Kraft,
Die stets aus dem Winter den Frühling erschafft.
Sowie der Mond aus dem Nebelthor,
Ihr alten Götter, hervor, hervor!
Und siehe, auf eilenden Wolkenrossen
Sie kommen, sie kommen in herrlichen Trossen,
Sie folgen dem Rufe durch Nacht und Graus
Mit Mondenschimmer und Sturmesbraus.
"Heil, Odhin, Du Alter, so weise im Rat!
Heil, Frigga, Du Güt'ge in Wort und in That!
Wie schwingest Du kräftig den Hammer, o Thor;
Wie mächtig auch steigest Du, Tyr, empor;
Wie schauest so listig Du, Loke, drein,
Die Locken umspielet von züngelndem Schein.
O Braga, wie klinget Dein Heldengesang
So herrlich zu goldener Harfe Klang!
Gegrüßt sei mir, Freya, holdselige Frau,
Wie Mondenlicht lieblich und Morgentau,
Mit Deinem Bruder, der wonnig im Lenze
Uns immer erneuet die duftigen Kränze,
Wie naht Ihr, Walkyren, in grauser Pracht,
Wie Wetterleuchten der Sommernacht!
Willkommen, Ihr Helden alle und Frauen,
So mächtig, so prächtig, so lieblich zu schauen,
Ihr Hohen und Starken, ich sage Euch Dank,
Daß Ihr gekommen, mein Herz ist krank.
Nun eilt nicht vorüber, o höret mich an
Und sagt, wie den Sturm ich beschwichtigen kann!

Weit hinter mir liegt, ach! weit zurück
Der Kindheit Wonne, der Jugend Glück.
Ja, ich war glücklich, in mutigem Hoffen
Sah ich den Himmel auf Erden mir offen.
In träger Ruhe nicht hab' ich gelebt,
Ich habe gerungen und rastlos gestrebt,
Doch meiner Mühe erwuchs keine Frucht,
Und nimmer, ach, fand ich, was ich gesucht;
Was ich erstrebte, erreichte ich nicht,
Und nun erlosch auch der Hoffnung Licht.
Ich habe immer das Beste gewollt
Und habe nie mit der Menschheit gegrollt,
Doch glaubet man nicht, wie gut ich es meine,
Und schilt, daß aus eitler Selbstsucht ich weine.
Ach, Thränen sind es verlorenen Lebens,
Das nimmer müßig und doch so vergebens,
Was ich als Segen bei anderen fand,
Zum Fluche ward es in meiner Hand.

Ich wollte sammeln und mußte zerstreuen,
Und wo ich beglücken gewollt und erfreuen,
Da schuf ich nur Herzleid und Ungemach,
Daß selber mir fast das Herz drum brach.
Mit bunter Sorge hab' ich mich gequält,
Ich habe gestrauchelt, geirrt und gefehlt;
Viel hab' ich bereuet und schwer auch gebüßt,
Mit Arbeit nur hab' ich mein Leben versüßt.
Nun nahen des Alters traurige Stunden,
Und mit dem Mut ist die Kraft mir entschwunden.
Wozu denn dienet der gute Wille?
Er hilft keinem andern, mich macht er nicht stille.
Wozu noch wirken und kämpfen und ringen,
Wenn keine Hoffnung mehr auf Gelingen?
Wozu das ganze erbärmliche Leben,
Das nie sich vom Staube kann erheben?"

Da rief mir der mächtige Geisterchor:
"Nicht frage wozu, nur vorwärts, empor!
Fragt denn die Sonne, wozu ihr Licht?
Und fraget der Sturm, wie viel Bäume er bricht?
Verloren im Weltall ist keine Kraft,
Die still nach dem ew'gen Gesetze schafft.
Frag' nicht, wer es gern sieht, frag' nicht, wem es nützt,
Nur siehe, was Dich vor Verderben schützt;
Thu' immer das Gute, soviel Du vermagst,
Doch thöricht ist's, wenn nach Danke Du fragst.
Nur nicht verzagen, nur Mut, nur Mut!
Was gut gemeint ist, wird endlich auch gut.
Nicht Stürme mehr fürchte und dunkles Geschick
Und vorwärts nur wende den mutigen Blick.
Dir nützt nur das Licht, dem entgegen Du siehst,
Verfolgen wird Dich der Sturm, den Du fliehst!"

"Ich dank' Euch, Ihr Guten, für Eueren Rat.
Ja, ich will weiter pflegen die Saat,
Will weiter wirken und fragen nicht,
Wie Winde, Wolken und Sonnenlicht.
Ihr habet die Kräfte mich brauchet gelehrt
Und habet den Mut mir, den lassen, gemehrt.
O gebet mir nun auch den Frieden zurück,
Im Frieden nur blühet des Menschen Glück.
Wo weilet Balder, der wonnighelle,
Des Guten Beschützer, des Lichtes Quelle?
Erbittet für mich von dem Freundlichen, Reinen,
Daß er mir ins Herz läßt die Sonne scheinen.
Welch dunkles Geschick mir auch sei beschieden,
Nur gebt in die Seele mir Frieden, Frieden!
Was hüllet Ihr nur ein das Angesicht
Und schweiget und weinet und redet nicht?
O ich beschwör' Euch, Ihr Nachtgestalten,
Ihr mächtig hohen Naturgewalten,
Erhört meine Bitte, o höret mich an,
Und sagt, wie den Frieden ich finden kann!"

Da ballten die Wolken sich finster zusammen,
Und Blitze zuckten in röthlichten Flammen,
Da tönte, vom Sturmesfittich getragen,
Es mir wie Seufzen und wildes Klagen:
"Wir wallen und weben in dunkler Nacht,
Wir glühen und sengen in Sommerpracht,
Wir bringen den Winter und brechen das Eis,
Wir schmücken und wir entlauben das Reis,
Wir haben die Kraft, die das Dunkel bricht,
Den Frieden aber, den haben wir nicht.
Ach, Balder, der holde, ist von uns gegangen!
Doch schmückt sich die Erde mit neuem Prangen,
Und schwellen die Knospen am Baum und Strauch,
Dann geht durch die Welt ein Liebeshauch.
Vom Winter zum Lenze, vom Dunkel zum Licht
Du hörest die Mahnung, verachte sie nicht.
Und tönen die Glocken dann weit umher,
Am Ostefeste erstehet der Herr,
Der, schöner als Balder und Lenzessonnen,
Das Licht ist der Welt und des Friedens Bronnen.
Er lehrt Dich die Liebe, die nimmer vergeht,
Die heilig und rein wie ein stilles Gebet,
Die, welches Weh ihr geschehen, vergibt,
Die tilgt alle Schuld, weil allmächtig sie liebt.
Sie hellet das Dunkel und machet Dich frei,
Daß Frühling und Ostern im Herzen Dir sei!"

(Johanna Schultze-Wege, 1844-1918, deutsche Schriftstellerin, Dichterin, Übersetzerin)

Geburtstaggedicht des Monats

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Hintergrundbild des Monats

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Zitat Spruch des Tages

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