Liebesgedichte Liebessprüche Gedichte Liebe Freundschaft Gedichte Abschied Gedichte Sehnsucht Gedichte Liebe Zitate
Danke Gedichte Hochzeit Gedichte Muttertag Gedichte Valentinstag Gedichte
Prosa Geschichten







Der Fliegende Holländer



__________________________

GESCHICHTEN
- Brigitta
- der fliegende Holländer
- Kanzler Schlick
- Lucie Gelmeroth
- Märchen vom Myrtenfräulein
- Melück Maria Blainville


Erzählungen
Kurzgeschichten
Liebesbriefe
Prosa Gedichte
Liebesgedichte



LIEBESGEDICHTE von
Brentano
Goethe
Rilke
Sidonie Grünwald-Zerkowitz
Yvan und Claire Goll


__________________________

zitat

In uns selbst liegen die
Sterne unseres Glücks.

- Heinrich Heine -

_______________________







Hier erhalten Sie eine schöne und spannende Liebesgeschichte, geschrieben von dem bekannten deutschen Dichter Heinrich Heine.

Der Fliegende Holländer

Die Fabel von dem Fliegenden Holländer ist euch gewiss bekannt.
Es ist die Geschichte von dem verwünschten Schiffe, das nie in den
Hafen gelangen kann und jetzt schon seit undenklicher Zeit auf dem
Meere herumfährt. Begegnet es einem anderen Fahrzeuge, so kommen
einige von der unheimlichen Mannschaft in einem Boote herangefahren
und bitten, ein Paket Briefe gefälligst mitzunehmen. Diese Briefe muss
man an den Mastbaum festnageln, sonst widerfährt dem Schiffe ein
Unglück, besonders wenn keine Bibel an Bord oder kein Hufeisen am
Fockmaste befindlich ist. Die Briefe sind immer an Menschen adressiert,
die man gar nicht kennt oder die längst verstorben, so dass zuweilen
der späte Enkel einen Liebesbrief in Empfang nimmt, der an seine
Urgrossmutter gerichtet ist, die schon seit hundert Jahr im Grabe liegt.

Jenes hölzerne Gespenst, jenes grauenhafte Schiff führt seinen Namen
von seinem Kapität, einem Holländer, der einst bei allen Teufeln
geschworen, dass er irgendein Vorgebirge, dessen Namen mir
entfallen, trotz des heftigsten Sturms, der eben wehte, umschiffen wolle,
und sollte er auch bis zum Jüngsten Tage segeln müssen. Der Teufel
hat ihn beim Wort gefasst, er muss bis zum Jüngsten Tage auf dem
Meere herumirren, es sei denn, dass er durch die Treue eines Weibes
erlöst werde. Der Teufel, dumm wie er ist, glaubt nicht an Weibertreue
und erlaubte daher dem verwünschten Kapitän, alle sieben Jahr einmal
ans Land zu steigen und zu heiraten und bei dieser Gelegenheit seine
Erlösung zu betreiben. Armer Holländer! Er ist oft froh genug, von der
Ehe selbst wieder erlöst und seine Erlöserin loszuwerden, und er begibt
sich dann wieder an Bord.

Auf diese Fabel gründete sich das Stück, das ich im Theater zu Amsterdam gesehen. Es sind wieder sieben Jahr verflossen, der arme Holländer ist des endlosen Unherirrens müder als jemals, steigt ans Land, schliesst Freundschaft mit einem schottischen Kaufmann, dem er begegnet, verkauft ihm Diamanten zu spottwohlfeilem Preise, und wie er hört, dass sein Kunde eine schöne Tochter besitzt, verlangt er sie zur Gemahlin. Auch dieser Handel wird abgeschlossen.

Nun sehen wir das Haus des Schotten, das Mädchen erwartet den Bräutigam zagen Herzens. Sie schaut oft mit Wehmut nach einem grossen verwitterten Gemälde, welches in der Stube hängt und einen schönen Mann in spanisch- niederländischer Tracht darstellt; es ist ein altes Erbstück, und nach der Aussage der Grossmutter ist es ein getreues Konterfei des Fliegenden Holländers, wie man ihn vor hundert Jahr in Schottland gesehen, zur Zeit König Wilhelms von Oranien. Auch ist mit diesem Gemälde eine überlieferte Warnung verknüpft, dass die Frauen der Familie sich vor dem Originale hüten sollten. Eben deshalb hat das Mädchen von Kind auf sich die Züge des gefährlichen Mannes ins Herz geprägt.

Wenn nun der wirkliche Fliegende Holländer leibhaftig hereintritt, erschrickt das Mädchen; aber nicht aus Furcht. auch jener ist betroffen bei dem Anblick des Portraits. Als man ihm bedeutet, wen es vorstelle, weiss er jedoch jeden Argwohn von sich fernzuhalten; er lacht über den Aberglauben, er spöttelt selber über den Fliegenden Holländer, den Ewigen Juden des Ozeans; jedoch unwillkürlich in einen wehmütigen Ton übergehend, schildert er, wie Mynheer auf der unermesslichen Wasserwüste die unerhörtesten Leiden erdulden müsse, wie sein Leib nichts anderes sei als ein Sarg von Fleisch, worin seine Seele sich langweilt, wie das Leben ihn von sich stösst und auch der Tod ihn abweist: gleich einer leeren Tonne, die sich die Wellen einander zuwerfen und sich spottend einander zurückwerfen, so werde der arme Holländer zwischen Tod und Leben hin und her geschleudert, keins von beiden wolle ihn behalten; sein Schmerz sei tief wie das Meer, worauf er herumschwimmt, sein Schiff sei ohne Anker und sein Herz ohne Hoffnung.

Ich glaube, dieses waren ungefähr die Worte, womit der Bräutigam schliesst. Die Braut betrachtet ihn ersnthaft und wirft manchmal Seitenblicke nach seinem Konterfei. Es ist, als ob sie sein Geheimnis erraten habe, und wenn er nachher fragt: "Katharina, willst du mir treu sein?", antwortet sie entschlossen: "Treu bis in den Tod."

Bei dieser Stelle, erinnere ich mich, hörte ich lachen, und dieses Lachen kam
nicht von unten, aus der Hölle, sondern von oben, vom Paradiese. Als ich
hinaufschaute, erblickte ich eine wunderschöne Eva, die mich mit ihren grossen
blauen Augen verführerisch ansah. Ihr Arm hing über der Galerie herab, und
in der Hand hielt sie einen Apfel oder vielmehr eine Apfelsine. Statt mir aber
symbolisch die Hälfte anzubieten, warf sie mir bloss metaphorisch die Schalen
auf den Kopf. War es Absicht oder Zufall? Das wollte ich wissen. Ich war aber,
als ich ins Paradies hinaufstieg, um die Bekanntschaft fortzusetzen, nicht
wenig befremdet, ein weisses sanftes Mädchen zu finden, eine überaus
weiblich weiche Gestalt, nicht schmächtig, aber doch kristallig zart, ein Bild
häuslicher Zucht und beglückender Holdseligkeit. Nur um die linke Oberlippe
zog sich etwas oder vielmehr ringelte sich etwa wie das Schwänzchen einer
fortschlüpfenden Eidechse. Es war ein geheimnisvoller Zug, wie man ihn
just nicht bei den reinen Engeln, aber auch nicht bei hässlichen Teufeln
zu finden pflegt.

Dieser Zug bedeutete weder das Gute noch das Böse, sondern bloss ein
schlimmes Wissen; es ist ein Lächeln, welches vergiftet worden von jenem
Apfel der Erkenntnis, den der Mund genossen. Wenn ich diesen Zug auf
weichen vollrosigen Mädchenlippen sehe, dann fühl ich in den eigenen
Lippen ein krampfhaftes Zucken, ein zuckendes Verlangen, jene Lippen
zu küssen; es ist Wahlverwandtschaft.

Ich flüsterte daher dem schönen Mädchen ins Ohr: "Juffrouw! ich will
deinen Mund küssen."

"Bei Gott, Mynheer, das ist ein guter Gedanke!" war die Antwort, die
hastig und mit entzückendem Wohllaut aus dem Herzen hervorklang.

Aber nein - die ganze Geschichte, die ich hier zu erzählen dachte
und wozu der Fliegende Holländer nur als Rahmen dienen sollte,
will ich jetzt unterdrücken. Ich räche mich dadurch an den Prüden,
die dergleichen Geschichten mit Wonne einschlürfen und bis an den
Nabel, ja noch tiefer, davon entzückt sind und nachher den Erzähler
schelten und in Gesellschaft über ihn die Nase rümpfen und ihn als
unmoralisch verschreien. Es ist eine gute Geschichte, köstlich wie
eingemachte Ananas oder wie frischer Kaviar oder wie Trüffel in
Burgunder, und wäre eine angenehme Lektüre nach der Bettstunde;
aber aus Ranküne, zur Strafe für frühere Unbill, will ich sie unterdrücken.
Ich mache daher hier einen langen Gedankenstrich ---

Dieser Strich bedeutet ein schwarzes Sofa, und darauf passierte die
Geschichte, die ich nicht erzähle. Der Unschuldige muss mit dem
Schuldigen leiden, und manche gute Seele schaut mich jetzt an mit
einem bittenden Blick. Je nun, diesen Besseren will ich im Vertrauen
gestehn, dass ich noch nie so wild geküsst worden wie von jener
holländischen Blondine und dass diese das Vorurteil, welches ich
bisher gegen blonde Haare und blaue Augen hegte, aufs siegreichste
zerstört hat.

Jetzt erst begriff ich, warum ein englischer Dichter solche Damen mit
gefrorenem Champagner verglichen hat. In der eisigen Hülle lauert der
heisseste Extrakt. Es gibt nichts Pikanteres als der Kontrast jener
äusseren Kälte und der inneren Glut, die bacchantisch emporlodert und
den glücklichen Zecher unwiderstehlich berauscht. Ja, weit mehr als in
Brünetten zehrt der Sinnenbrand in manchen scheinstillen Heiligenbildern
mit goldenem Glorienhaar und blauen Himmelsaugen und frommen
Lilienhänden.

Ich weiss eine Blondine aus einem der besten niederländischen Häuser,
die zuweilen ihr schönes Schloss am Zuidersee verliess und inkognito
nach Amsterdam und dort ins Theater ging, jedem, der ihr gefiel,
Apfelsinenschalen auf den Kopf warf, zuweilen gar in Matrosenherbergen
die wüsten Nächte zubrachte, eine holländische Messaline.

Als ich ins Theater noch einmal zurückkehrte, kam ich eben zur letzten
Szene des Stücks, wo auf einer hohen Meerklippe das Weib des Fliegenden
Holländers, die Frau Fliegende Holländerin, verzweiflungsvoll die Hände
ringt, während auf dem Meere, auf dem Verdeck seines unheimlichen
Schiffes, ihr unglücklicher Gemahl zu schauen ist. Er liebt sie und will sie
verlassen, um sie nicht ins Verderben zu ziehen, und er gesteht ihr sein
grauenhaftes Schicksal und den schrecklichen Fluch, der auf ihm lastet.
Sie aber ruft mit lauter Stimme: "Ich war dir treu bis zu dieser Stunde, und
ich weiss ein sicheres Mittel, wodurch ich dir meine Treue erhalte bis in
den Tod!"

Bei diesen Worten stürzt sich das treue Weib ins Meer, und nun ist auch
die Verwünschung des Fliegenden Holländers zu Ende, er ist erlöst, und
wir sehen, wie das gespenstische Schiff in den Abgrund des Meeres
versinkt.

Die Moral des Stückes ist für die Frauen, dass sie sich in acht nehmen
müssen, keinen Fliegenden Holländer zu heiraten; und wir Männer
ersehen aus diesem Stücke, wie wir durch die Weiber, im günstigsten
Falle, zugrunde gehn.


- Heinrich Heine 1797-1856, deutscher Dichter, Schriftsteller und Journalist -


Wortbedeutung
bacchantisch = ausgelassen, trunken, überschäumend







Mehr Geschichten

Brigitta, Geschichte von Adalbert Stifter
Liebesgeschichte des Kanzlers Schlicks, Geschichte von Achim von Arnim
Lucie Gelmeroth, Geschichte von Eduard Mörike
Märchen vom Myrtenfräulein, Geschichte von Clemens Brentano
Melück Maria Blainville, Geschichte von Achim von Arnim



Mehr Sehnsucht
Sehnsucht Gedichte
Romantische Gedichte
Trennung Gedichte




Link-Tipps

Heinrich Heine
Leben und Werke.

Zitate Heine
Eine schöne Sammlung.

Werke von Heinrich Heine

auf zeno.org.

Liebesgedichte
Schöne Liebesgedichte.







Bücher- und Geschenk-Tipps

Auf den Spuren des Fliegenden Holländers
von Richard Wagner







Die Geschichte des Fliegenden Holländers,
erzählt nach Richard Wagners Oper







Der fliegende Holländer:
Textbuch, Einführung und Kommentar
(Opern der Welt)








Weitere Geschichten und Liebesgedichte

Erzählungen Geschichten Kurzgeschichten Prosa
Rilke Goethe Brentano Grünwald Goll Frühling
Liebessprüche Liebesgedichte Freundschaft Gedichte
Danke Gedichte Sehnsucht Gedichte Liebe kurze
Liebesbriefe Abschied Liebeskummer traurige
Glück Kuss Muttertag Zitate Hochzeit
Valentinstag kurz Weihnacht lustige




nach oben