Aus der ach so karg gefüllten Schale unseres Herzens lasst uns Liebe schöpfen, wo nur immer einer Seele Schale leer steht und nach Liebe dürstet.

(Christian Morgenstern)

Liebesgedichte Christian Morgenstern

Die schönsten Liebesgedichte und Sprüche von dem bekannten deutschen Dichter, Schriftsteller und Übersetzer.




Gedicht des Monats

Die Bank

Die Nacht ist lind und lockt mich auf die Warte
auf halber Höhe über meinem Flecken;
ich schau ihn sich den Bach hinauf erstrecken,
und diesen selber durch der Mauer Scharte.

Durchs Laubwerk mir zu Häupten spielt das harte
Geblink der Sternenschar mit mir Verstecken;
indes von unten mich Laternen necken,
wie Blitzer einer transparenten Karte.

Vor allem aber ist die Bank da droben
mir wert. Denn meine Freundin kommt, die ferne,
sooft ich dort, mein nächtlich Säumen teilen.

Gemeinsam hören wir die Wasser toben.
Gemeinsam schaun wir Häuser, Lichter, Sterne ...
Und wünschen nichts als ewig so zu weilen.

(Christian Morgenstern, 1871-1914, deutscher Schriftsteller, Dichter, Übersetzer)

S P R U C H - Z I T A T
Der moderne Mensch ›läuft‹ zu leicht ›heiss‹. Ihm fehlt zu sehr das Öl der Liebe.

(Christian Morgenstern)

Ich küsse dich auf deine Lebenslinie

Ich küsse dich auf deine Lebenslinie,
da wo der Handschuh mir die Lücke läßt...
Ich küsse dich auf deine Lebenslinie ...

So zierlich ruht sie im gewählten Nest!
Und wie mein Mund sich zärtlich auf sie preßt,
da segnet er fromm mit ihr gleich auch den Rest, -
dein ganzes Leben mit der lieben Linie ...

(Christian Morgenstern, 1871-1914, deutscher Schriftsteller, Dichter, Übersetzer)

S P R U C H - Z I T A T
Ihr wollt alle nur die Liebe zur Möglichkeit haben. Ich habe nur die Liebe zur Unmöglichkeit.

(Christian Morgenstern)

Hier im Wald mit dir zu liegen

Hier im Wald mit dir zu liegen,
moosgebettet, windumatmet,
in das Flüstern, in das Rauschen
leise liebe Worte mischend,
öfter aber noch dem Schweigen
lange Küsse zugesellend,
unerschöpflich - unersättlich,
hingegebne, hingenommne,
ineinander aufgelöste,
zeitvergeßne, weltvergeßne.
Hier im Wald mit dir zu liegen,
moosgebettet, windumatmet...

(Christian Morgenstern, 1871-1914, deutscher Schriftsteller, Dichter, Übersetzer)

S P R U C H - Z I T A T
Es gibt nichts Schwereres, als einen Menschen, den man liebt, einen Weg gehen lassen zu müssen, der zur nächsten Stadt führt, statt zum nächsten Gipfel.

(Christian Morgenstern)

Wo bist du?

Wo bist du, süße Blume meiner Tage?
Ich strecke müde, glückverlangende Hände
nach deinem holden Kelche aus?
Wo bist du -
daß ich das keusche, sammetweiche Haupt
dir küsse?
Wo bist du -
daß der Falter meiner Seele
an deiner Blüte Staub
sich neu vergolde?
Ich dürste, hungere nach deinem Duft!
Wo birgst du deine Schönheit?
Welcher Garten des Paradieses
umfriedet deine Pracht?
Wo bist du - bist du -
süße Blume meiner Tage?

(Christian Morgenstern, 1871-1914, deutscher Schriftsteller, Dichter, Übersetzer)

Wenn du nur wolltest

Ich bin eine Harfe
mit goldenen Saiten,
auf einsamem Gipfel
über die Fluren
erhöht.

Du laß die Finger leise
und sanft darüber gleiten,
und Melodien werden
aufraunen
und aufrauschen,
wie nie noch Menschen hörten;
das wird ein heilig Klingen
über den Landen sein...

Ich bin eine Harfe
mit goldenen Saiten,
auf einsamem Gipfel
über die Fluren
erhöht -

und harre Deiner,
oh Priesterin!
daß meine Geheimnisse
aus mir brechen
und meine Tiefen
zu reden beginnen
und, wie ein Mantel,
meine Töne
um dich fallen,
ein Purpurmantel
der Unsterblichkeit.

(Christian Morgenstern, 1871-1914, deutscher Schriftsteller, Dichter, Übersetzer)

S P R U C H - Z I T A T
Schönheit ist empfundener Rhythmus. Rhythmus der Wellen, durch die uns alles Außen vermittelt wird. Oder auch: Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet. Je mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sie finden.

(Christian Morgenstern)

Wenn Cyranos

Wenn Cyrano des Kusses Süße singt,
so war es nur, weil ihn ein Kuß beglückte;
vergeblich glaubst du, daß es dem gelingt,
den liebe Lippe nicht zuvor entzückte;
erst wessen Herz dies süße Gift durchdringt,
er redet, ein Entrückter für Entrückte,
erst wer die roten Lebensrosen pflückte,
schlingt Kränze, wie man sie für ewig schlingt.

(Christian Morgenstern, 1871-1914, deutscher Schriftsteller, Dichter, Übersetzer)

S P R U C H - Z I T A T
Wer vom Ziel nicht weiss, kann den Weg nicht haben, wird im selben Kreis all sein Leben traben.

(Christian Morgenstern)

Was sind wir!

Was sind wir, wenn wir uns zurücke nehmen
aus jenem süßgewohnten Vordergrund,
in dem, zum Glück uns, unsre Wiege stund
und unser Krug einst steht mit unserm Staube!
Wer sind wir denn noch, wenn nicht krause Schemen,
Traumschatten über bodenlosem Grund,
und namenloser Traurigkeit zum Raube.

Drum laß uns dicht uns aneinander drängen,
es trägt sich leichter solch ein Graun zu zweit,
ich will mein All auch um den Hals dir hängen,
die ganze Sternschnur meiner Zeitlichkeit:
dafür: daß du mich, Weib, betreust und tröstest,
daß du dich als mein Du aus mir befreit,
daß du mich liebend von mir selbst - erlöstest...

(Christian Morgenstern, 1871-1914, deutscher Schriftsteller, Dichter, Übersetzer)

Und soll ich dich auch nie besitzen

Und soll ich dich auch nie besitzen,
so will ich deinen Namen doch
ins Holz der Weltenesche schnitzen,
ein Zeugnis fernstem Volke noch.

So sollen tausend Herzen lesen,
die gern ein kleines Lied beglückt,
was du mir Einsamem gewesen,
wie du mich innerlichst entzückt.

(Christian Morgenstern, 1871-1914, deutscher Schriftsteller, Dichter, Übersetzer)

S P R U C H
Alles muss allem dienen. Es gibt im letzten Sinne keine Ungerechtigkeit.

(Christian Morgenstern)

Diese Rose

Diese Rose von heimlichen Küssen schwer:
Sieh, das ist unsre Liebe.
Unsre Hände reichen sie hin und her,
unsre Lippen bedecken sie mehr und mehr
mit Worten und Küssen sehnsuchtsschwer,
unsre Seelen grüßen sich hin und her -
wie über ein Meer - - wie über ein Meer - - -
Diese Rose vom Duft unsrer Seelen schwer:
sieh, das ist unsre Liebe.

(Christian Morgenstern, 1871-1914, deutscher Schriftsteller, Dichter, Übersetzer)

S P R U C H
Ich meine, es müßte einmal ein sehr großer Schmerz über die Menschen kommen, wenn sie erkennen, daß sie sich nicht geliebt haben, wie sie sich hätten lieben können.

(Christian Morgenstern)

Der Duft des Lebens

Der Duft des Lebens hing in diesem Tuche.
Wie liebt' ich seine dichten Seidenmaschen,
die deinen Hals am Abend einst umfingen.

Da - als ich heute spät mein Lager suche -
hängt es am Stuhl, gebügelt und gewaschen,
ein Totes mehr nun unter toten Dingen!

(Christian Morgenstern, 1871-1914, deutscher Schriftsteller, Dichter, Übersetzer)

Christian Morgenstern Wikipedia

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